Jugendhearing der Bundesregierung am 11. März 2021

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Franz Wacker (KJLB Bayern)

Foto: privat

Franz Wacker (KJLB Bayern) nimmt als einer von 100 Jugendvertreter*innen am Jugendhearing der Bundesregierung teil. Im Interview erzählt Franz www.bdkj.de, was er von dem Jugendhearing am 11. März 2021 erwartet.

Welche Hoffnungen und damit verbundene Erwartungen hast Du fürs Jugendhearing?

Franz Wacker: Die größte Hoffnung ist eindeutig, dass die Kinder und Jugendlichen den Politiker*innen als solche und nicht nur als Schüler*innen in den Kopf kommen. In meinen Augen sind wir als Gesellschaft gemeinsam in diese komische Situation gekommen, warum helfen wir dann nicht auch alle zusammen, um auch gemeinsam aus dieser Lage wieder rauszukommen? Aktuell sehe ich leider keinen gemeinsamen Plan, keine gemeinsamen Ziele und keinen guten Weg, um nicht viele Leute auf dem Weg zu verlieren. Ich erhoffe mir, dass in dem Jugendhearing die Meinung der Jugend ernst- und wahrgenommen wird. Es darf nicht wieder in ein „Ja, stimmt, aber aber…“, sondern ein „Ja, stimmt, das schreibe ich mir direkt mal auf..“ werden.
 
Wofür möchtest Du Dich als Verbandler genau einsetzen und wie ist deine Position dazu?

Franz Wacker: Die KLJB Bayern hat bereits einen Beschluss auf genau dieses Thema beschlossen. „Risikogruppe Jugend? Für eine starke Jugendpolitik in Zeiten der Krise“. Jugendarbeit muss auch in Krisenzeiten ermöglicht werden. In meinen Augen ist es einfach unerklärlich, warum die außerschulische Bildungsarbeit, die Jugendarbeit nicht im Fokus der Politiker*innen ist. Bei mir im Dorf war die Jugendgruppe die erste Gemeinschaft, die sich aus der Schockstarre befreien konnte und mit klarem Kopf sich die Frage gestellt hat: Wie können wir anderen Menschen in der Krise helfen?“ Es wurden Einkaufsdienste, Gassigehangebote gemacht und zum Beispiel wurde auch dem Ortspfarrer geholfen, den digitalen Gottesdienst abhalten zu können. Was ich damit sagen will, ist, dass ich es unerklärlich finde, warum die Jugendarbeit nicht einmal erwähnt wird, geschweige denn beachtet. In dieser Zeit muss die digitale Teilhabe von allen Menschen ermöglicht werden und mit auf den „Digitalisierungzug“ aufgesprungen werden. Zum Beispiel müssen die Medienpädagogischen Angebote ausgebaut und gestärkt werden. Ebenso braucht es eine Jugendpolitik, an der junge Menschen aktiv beteiligt sind und die deren vielfältige Bedürfnisse wahrnimmt und ernst nimmt. Ein „Jugend-Check“ zur Evaluation politischer Maßnahmen hinsichtlich der Bedürfnisse junger Menschen ist aktuell einfach unabdingbar und sehr notwenig. In meinen Augen braucht es einen ganz anderen Blick auf das Thema. Bildung ist nicht nur Mathe, Deutsch und Englisch, sondern viel mehr! Persönlichkeitsentwicklung muss ermöglicht werden. Junge Menschen brauchen über die fachlichen Kompetenzen hinaus Räume, um sich entwickeln und ihre Potenziale entfalten zu können. Außerdem braucht es mehr denn je ein Umfeld, wo Raum ist für gegenseitige Achtsamkeit, die Wahrnehmung von Bedürfnissen anderer Menschen und Begegnungen auf Augenhöhe.
 
Wofür kann sich Staat und Gesellschaft aus deiner bzw. aus Verbandssicht weiter stark machen?

Franz Wacker: Solidarität. Ein Achten aufeinander. Aktuell zieht jede*r an verschiedenen Strängen. Wie wir sehen, klappt das eher so semi gut. Wenn wir als Staat, als Gesellschaft und natürlich auch als Jugendverbände gemeinsam an einem Strang ziehen, dann könnten wir unglaubliches erreichen und schnellstmöglich wieder auf den grünen Zweig gelangen.
 
Welche Defizite siehst Du und was können noch Stolpersteine sein / werden?

Franz Wacker: In der Politik ist es aktuell super beliebt, dass man sich die Jugendverbände anhört und dann sagen kann, dass man ja mit den jungen Menschen gesprochen hat. Der Fehler ist, in meinen Augen, dass diese Meinung, diese Erfahrungen und Kompetenzen nicht ernst- und wahrgenommen werden. Das ist nicht nur ein Problem in der aktuellen Zeit, sondern dieses Problem gibt es schon länger. Jugendliche machen sich auf Fotos immer super gut, aber mehr ist dann oft nicht gewünscht. Somit sehe ich nur einen, aber einen sehr großen Stolperstein. Dieser ist die Blindheit gegenüber den Jugendverbänden.
 
Wie sieht die Zukunft aus und wie ist deine Prognose dazu?


Franz Wacker: Ich will mir nicht zumuten eine Prognose auszusprechen. Lieber würde ich einen Wunsch an die Politiker*innen richten:

Wir sind hier gemeinsam gelandet. Damit hätte davor nie jemand gerechnet und wahrscheinlich war es auch unvorstellbar, dass wir zum Beispiel die ganze Gesellschaft herunterfahren müssen. Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie das alleine regeln müssen. Niemand sagt, dass Sie die ganzen Probleme alleine bewältigen müssen. Aber was wir von Ihnen erwarten ist, dass Sie sich Menschen ins Boot holen, um das gemeinsam regeln zu können. Uns geht das hier alle was an, bitte lassen Sie uns das auch gemeinsam rocken. Lassen Sie uns ein Team werden und gemeinsam diese Zeit hinter uns bringen und mit frohem Mut in die Zukunft blicken!

 

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