Kinder- und Jugendarmut in Deutschland

Rund ein Viertel aller Kinder- und Jugendlichen unter 25 Jahre in Deutschland ist armutsbedroht. Das ist eine immense Quote, wenn man den Reichtum in diesem Land bedenkt. Für betroffene Kinder und Jugendliche bedeutet Armut in den meisten Fällen fehlende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und prägt nicht selten auch ihr Erwachsenenleben. Um Kinder- und Jugendarmut wirksam zu bekämpfen, fordert der BDKJ schon lange ein Grundeinkommen für Kinder und Jugendliche.

Chancen für alle!

In der 10. Ausgabe des BDKJ.konkret dreht sich alles um Jugendarmut.

Was ist überhaupt Kinder- und Jugendarmut?

Wer 60 Prozent oder weniger des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt in Deutschland als armutsgefährdet. Das mittlere Einkommen (Median) ist das Einkommen genau in der Mitte der Einkommensverteilung. Die eine Hälfte hat also monatlich mehr Geld zu Verfügung, die andere Hälfte weniger. Für Alleinlebende lag diese Grenze im Jahr 2019 bei 1074 Euro im Monat. Dazu zählen nicht nur das Erwerbseinkommen, sondern auch staatliche Transfers wie Wohngeld oder Kindergeld.

In Deutschland sind Armutsbetroffene in der Regel Menschen mit SGB-II oder SGB-XII-Bezug. Im Juni 2021 lebten 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche mit SGB-II Bezug. Insgesamt gelten sogar 3,2 Millionen Kinder und Jugendliche als armutsgefährdet.

Armutsrisiko bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch

Jede*r Vierte unter 25 Jahren in Deutschland ist von Armut bedroht. Das sind rund 3,2 Mio. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Oft ist die Armut der Kinder eine Folge eines armen Haushalts, aus dem sie kommen, aber gerade die Armut der 14- bis 27-Jährigen hat eine eigene Qualität: Wer in Ausbildung ist und zu Hause ausziehen möchte, leidet massiv unter den steigenden Mieten. Während der Pandemie sind viele Nebenjobs weggebrochen, mit denen junge Erwachsene oft neben Studium und Ausbildung ihren Lebensunterhalt verdient haben. Und auch das BAFöG ist schon lange nicht mehr reformiert worden.

Für die Kinder und Jugendlichen bedeutet ein Leben in Armut oft nicht mitmachen können, nicht dabei sein können. Die Jugendfreizeit kostet Geld, kulturelle Angebote wie Theater oder Philharmonie sind oft so weit vom eigenen Alltag entfernt, dass armutsbedrohte Jugendliche Angst haben sich dort falsch zu verhalten. Der Druck unter Gleichaltrigen Luxusgüter, wie das neueste Smartphone oder die teure Jeans zu besitzen, führt nicht selten in die Isolation. Auch schulisch werden armutsbedrohte Kinder und Jugendliche oft benachteiligt: Das ständige Jonglieren mit knappen Mitteln oder Nebenjobs kostet Zeit, die dann für die Schule fehlt. In Zeiten von Homeschooling während der Pandemie haben auch technische Mittel an Bedeutung gewonnen, die wiederum Geld kosten.

Zahlen und Fakten im Monitor Jugendarmut

Im Monitor „Jugendarmut in Deutschland“ stellt die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V. alle zwei Jahre Daten und Fakten zur Situation benachteiligter junger Menschen zwischen 14 und 27 Jahren zusammen. Ziel des Monitors ist es, die Anliegen benachteiligter Jugendlicher stärker in den Fokus zu rücken. Als Quellensammlung liefert er fundierte Informationen, um den politisch-gesellschaftlichen Diskurs zu fördern und Jugendarmut wirksam zu bekämpfen.

Hier könnt ihr den Monitor Jugendarmut herunterladen…

Grundeinkommen für Kinder und Jugendliche: Die Lösung?

Als BDKJ sprechen wir uns für einen grundlegenden Perspektivwechsel zur besseren Armutsbekämpfung junger Menschen aus. Jeder junge Mensch soll einen Anspruch auf die gleiche finanzielle Unterstützung in Form eines bedingungslosen Kinder- und Jugendgrundeinkommens unabhängig vom Einkommen der Familie haben. Es würde einen Beitrag leisten zur besseren Perspektive aller Kinder und Jugendlichen zur Teilhabe an Gesellschaft, Bildung, Ausbildung und Arbeit.

Zur Finanzierung eines Grundeinkommens für Kinder und Jugendliche schlagen wir vor, Einkommen aus Kapitalerträgen mindestens genauso hoch zu besteuern wie Einkommen aus Arbeit. Außerdem kann ein dritter Mehrwertsteuersatz von 30 Prozent für Luxusgüter Teil der Finanzierung sein. Auch eine verfassungskonform gestaltete Vermögenssteuer mit großzügigen Freibeträgen oder eine Finanztransaktionssteuer wären Möglichkeiten der Finanzierung. Ein weiteres Element könnte eine Wertungsschöpfungsabgabe auf Maschinen- und Technologieeinsatz sein. Es gibt also eine ganze Reihe an Möglichkeiten.

Die Idee eines Grundeinkommens für Kinder und Jugendliche ist auch Teil des im Dezember 2016 gemeinsam mit der Evangelischen Jugend (aej) beschlossenen Sozialworts der Jugend. Das steht hier zum Download.

Damit die Welt zusammenhält

Gemeinsames Sozialwort der Jugend von aej und BDKJ.

Projekte gegen Jugendarmut – Katholische Jugendsozialarbeit

Die katholischen Jugendverbände haben eine lange Tradition in der Jugendsozialarbeit. Der Wunsch der jungen Menschen in den Verbänden konkret etwas gegen Jugendarbeitslosigkeit oder Kinder- und Jugendarmut zu tun, führte mancherorts zu langjährigen Projekten oder sogar Vereinsgründungen. Ein Beispiel ist das Förderband Siegen-Wittgenstein, das 1989 aus einem gemeinsamen Projekt der BDKJ-Kreisverbände Olpe und Siegen hervorging. Bis heute stärken die Mitarbeiter*innen des Förderbands junge Menschen bei der Gestaltung ihres Lebensweges, arbeiten mit den örtlichen Schulen zusammen und organisieren Baucamps in den Ferien, in denen sich Jugendliche selbst ausprobieren können und so ihre Talente entdecken.

Kontakte

Ludger Urbic

Referent für Jugendsozialarbeit
Tel. 02 11 / 46 93 - 164
urbic[at]bdkj.de

Andreas Schmitz Sekretariat

Tel. 02 11 / 46 93 - 165
aschmitz[at]bdkj.de

Stefan Ottersbach

BDKJ-Bundespräses
Tel. 02 11 / 46 93 - 140
ottersbach[at]bdkj.de