Debatte um einen neuen Zivildienst setzt falschen Fokus und schürt Wunschdenken

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Gruppenfoto der katholischen Freiwilligendienstträger auf der Trägerkonferenz im Mai 2026 in Erfurt. Dort diskutierten die Vertreter*innen aus ganz Deutschland gemeinsam mit dem BDKJ-Bundesvorsitzenden Henner Gädtke und Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa über gute Rahmenbedingungen für Freiwilligendienste.


Nach einem Bericht der BILD am 04.08.2026 über die Vorbereitungen eines möglichen Zivildienstes durch das Bundesjugendministerium wurde intensiv über das Thema diskutiert. Der Bundesarbeitskreis FSJ hatte über die Gespräche der Verbände mit dem Ministerium transparent im Dezember 2025 berichtet. 

„Der aktuelle Zeitpunkt und der Fokus der Berichterstattung um einen Zivildienst wirken für uns etwas irritierend. Wir erleben hier die gleiche Scheindebatte wie beim verpflichtenden Gesellschaftsjahr. Statt über Gelingensbedingungen für freiwilliges Engagement zu diskutieren, wird der Eindruck erweckt, Zivildienstleistende könnten fehlende Fachkräfte im sozialen Sektor ersetzen. Dem ist jedoch nicht so!“, erläutert Henner Gädtke, Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). 
Auch der BDKJ wurde bereits 2025 zu Einsatzmöglichkeiten von Zivildienstleistenden in seinen Strukturen befragt und hat dies grundsätzlich bejaht – allerdings unter entsprechenden Bedingungen. Hierzu zählen unter anderem die finanzielle, strukturelle und gesellschaftliche Gleichwertigkeit aller Dienstformen, die Sicherstellung von Generationengerechtigkeit und die hohe Qualität von Begleitstrukturen, wie der Beschluss des BDKJ-Hauptausschusses im Januar 2026 ausführt. 

Der BDKJ begrüßt, dass das Bundesjugendministerium sich auf einen Zivildienst vorbereitet und nicht unreflektiert den „alten“ Zivildienst wieder einsetzen möchte. Gleichzeitig fordert der BDKJ weiterhin nachdrücklich, auf die Freiwilligkeit der jungen Menschen zu setzen und spricht sich gegen eine Reaktivierung einer Wehrpflicht und damit eines Ersatzdienstes aus, wie es der Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorsieht. Der Dachverband der katholischen Jugendverbände ist überzeugt davon, dass Sicherheit, Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht durch Pflichtdienste, sondern durch freiwilliges, werteorientiertes Engagement, politische Beteiligung und demokratische Bildung entstehen.  

„Das zeigen die Freiwilligendienste in katholischer Trägerschaft und darüber hinaus seit Jahrzehnten eindrucksvoll. Wir werden uns, gemeinsam mit dem Deutschen Caritasverband und der verbandlich organisierten Zivilgesellschaft weiter für gute Rahmenbedingungen für Freiwilligendienstleistende einsetzen und begrüßen, wenn die Debatte dieser Woche ihren Fokus doch noch dorthin verschiebt und junge Menschen angemessen beteiligt – auch das ist gestern nicht passiert.“, schließt Gädtke ab. Der BDKJ fordert daher ein Freiwilligendienste-Stärkungsgesetz und die Umsetzung der Vision 2030​​​​​​​ parallel zum Bundesgesellschaftsdienstegesetz. 
 

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