Themenseite zur Fußballweltmeisterschaft in Katar

"Wo Geld vor Menschenrechte und Umwelt gestellt wird, kann niemand gewinnen"

Das deutsche Fußballnationalteam der Männer muss die WM in Katar nach einer wenig weltmeisterlichen Leistung verlasen. Davon geht die Welt sicher nicht unter. Auf einem ganz anderen Blatt steht allerdings, dass für viele Menschen, insbesondere weibliche und queere, die Welt schon jetzt untergegangen ist. Die WM in Katar zeigt: Wo Geld vor Menschenrechte und Umwelt gestellt wird, kann niemand gewinnen.

Umso mehr beeindruckt mich das Engagement für Menschenrechte, Klimagerechtigkeit und Fairen Handel in unseren Verbänden und von unseren Kooperationspartner*innen.

Einige ausgewählte “Spieberichte” aus diesen Themenfeldern haben wir für euch auf dieser Themenseite zusammengestellt, die regelmäßig aktualisiert werden wird.

Stefan Ottersbach
(BDKJ-Bundespräses)

Stand: 03. Dezember 2022 - 20:00 Uhr

DPSG zeigt gemeinsam mit missio die Rote Karte!

Petition gegen die frauenfeindliche Rechtsprechung in Katar

Gemeinsam mit ihrem Kooperationspartner missio Aachen zeigt die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg die Rote Karte und sagt: Schluss mit der frauenfeindlichen Rechtsprechung in Katar!

Migrantinnen, Touristinnen und einheimische Frauen sind doppelt gefährdet im WM-Land Katar. Wer Opfer einer Vergewaltigung wird, kann aufgrund der geltenden Rechtsprechung selbst angeklagt werden.

Die WM im Emirat Katar lenkt den Blick auf die Situation von tausenden Arbeitsmigrant*innen in dem kleinen Wüstenstaat. Viel diskutiert wurden dabei die unerträglichen Arbeitsbedingungen der Zehntausenden Bauarbeiter, die die Stadien der teuersten Fußball-WM aller Zeiten errichteten.

Doch auch Arbeitsmigrantinnen und andere Frauen müssen in Katar besser geschützt werden, denn sie sind sogar doppelt gefährdet: Sie müssen nicht nur für einen Hungerlohn bis zu 20 Stunden am Tag arbeiten, sondern werden oft auch Opfer sexueller Gewalt. Zeigen sie ihre Peiniger an, riskieren sie selbst eine Anklage wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen Peitschenhiebe und eine Gefängnisstrafe.

„Dieses Gesetz ist grausam für die Opfer. Stoppt diese Rechtsprechung! Hebt dieses Gesetz auf“, fordert missio-Projektpartnerin Schwester Mary John Mananzan.       

„Es darf nicht sein, dass die Opfer von Vergewaltigungen vor Gericht gestellt werden und ihnen zynisch »außerehelicher Geschlechtsverkehr« vorgeworfen wird. Das ist perverse Männerjustiz und hat mit den hehren Grundsätzen des Islam nichts zu tun“, kritisiert die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (1998-2002).

Gemeinsam mit missio rufen wir dazu auf: Stooot diese Rechtsprechung und unterschreibt die Petition hier: https://aktion.missio-hilft.de/schutzengel-petition-katar/.

KjG: Menschenrechte nicht ins Abseits stellen!

Keine Frage kultureller Unterschiede Spätestens seit Beginn der Bauarbeiten für die Stadien, in denen während des Turniers gespielt wird, ist klar: Menschen werden dort ausgebeutet. Gastarbeiter*innen haben ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt – unzählige sogar ihr Leben lassen müssen. Queere Menschen werden kriminalisiert und Nachhaltigkeit in Zeiten der Klimakrise spielt beim Bau der WM-Stadien für eine einzige Veranstaltung keinerlei Rolle. Statt sie zusammenzuführen, treibt dieses Event die Weltgemeinschaft enorm auseinander.

Verständnis für katarische Kultur einzufordern, ist nachvollziehbar. Auf der anderen Seite ist die Wahrung von Menschenrechten keine Frage kultureller Unterschiedlichkeiten. Menschenrechte sind ein universelles Gut und unbedingt schützenswert. Unsere Empörung ist deshalb unermesslich groß.  Der kurzfristig ausgeübte massive Druck, um Hinweise auf Menschenrechte zu verhindern, verstärkt unsere Empörung.

(Nicht-)Handeln ist immer politisch Als KjG stehen wir für die unbedingte Wahrung aller Menschenrechte weltweit. Aus unserer Überzeugung heraus setzen wir uns daher auch politisch für diese Haltung ein. Wir verurteilen das Androhen sportlicher Konsequenzen für das Bekenntnis von Menschenrechten als Unterdrückung einer menschenrechtsorientierten Haltung. Die Unterdrückungslogik wird nicht nur durch die katarische Regierung in die Debatten getragen, sondern insbesondere durch die FIFA als Weltverband. Und das, obwohl in den Statuten die Wahrung der Menschenrechte und ein Verbot von Diskriminierung eine zentrale Rolle spielen. Wir fordern die FIFA dazu auf, ihre eigenen Statuten umgehend ernst zu nehmen und die entsprechend notwendigen Schritte daraus abzuleiten. Kapitalistische Interessen für den Einsatz für Menschenrechte in keiner Weise einzuschränken. Die FIFA muss anerkennen, dass ihr (Nicht-)Handeln immer auch politisch ist.

Mehr dazu auf kjg.de.

KLJB: Rote Karte für Menschenrechtsverletzungen

Die Fußballweltmeisterschaft der Herren begeistert weltweit Milliarden Menschen. Ein Event mit solch einer Strahlkraft sollte deshalb als Vorbild in den Bereichen Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Klimaschutz vorangehen. Doch Katar und das Kafala System fallen vor allem mit Verletzungen von Menschenrechten, Arbeitnehmer*innenrechten, Ausbeutung und Todesfällen auf Baustellen, wie auch sexualisierter Gewalt gegenüber Wanderarbeiterinnen auf. Daher hat die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) einen Beschluss „Rote Karte für Menschenrechtsverletzungen“ gefasst. Darin heißt es:

„Wir fordern die deutsche Bundesregierung auf, in den Strukturen der Vereinten Nationen und im internationalen Dialog die Einhaltung der Rechte aller Menschen in Katar und weltweit entschieden einzufordern und sich gegen alle Formen von Diskriminierung und für die Ermöglichung einer aktiven Zivilgesellschaft einzusetzen. […] Als KLJB verstehen wir den Einsatz für den Klimaschutz als wichtigen Ausdruck der Schöpfungsbewahrung und des Schutzes von Menschenrechten. Daher verurteilen wir die klimaschädliche Austragung der WM in Katar.“  Die KLJB-Bundesebene lehnen die Austragung des Turnieres in Katar ab und begleitet die WM kritisch, Tippspiele und andere Maßnahmen werden in diesem Jahr nicht angeboten. Wir laden alle KLJB-Diözesan- und Landesverbände und ihre Ortsgruppen, wie auch andere Verbände ein, sich uns anzuschließen und der WM in den Sozialen Medien die Rote Karte zu zeigen. Unsere Mitglieder rufen wir dazu auf, sich kritisch mit der WM 2022 und zukünftigen Sportgroßveranstaltungen sowie der Bedeutung von Menschenrechten auseinanderzusetzen und unterstützen sie dabei durch unsere Bildungsarbeit.

Den vollständigen Beschluss gibt es auf kljb.org.

Viele Jugend- und Diözesanverbände engagieren sich

Im BDKJ und den Jugendverbänden ist es selbstverständlich Ungerechtigkeiten nicht einfach hinzu nehmen. Über das Engagement von DPSG, KjG und KLJB wurde hier schon berichter, aber auch anderenorts ist alles andere als leise. Es gibt Engagement gegen das Unrecht in Katar auf verschiedenste Weise:

Um nur einige zu nennen: Viele nutzten ihre Social-Media-Auftritte um über die Problematik zu informieren (z.B. BDKJ Osnabrück), klar Position zu beziehen (z.B. KjG) und Alternativen aufzuzeigen (z.B. BDKJ Fulda) oder boten sie direkt selbst an (BDKJ Rottenburg Stuttgart. Und der BDKJ Nordpfalz stellt in Kooperation mit vielen weiteren während der WM 17 bessere Tore vor: die sustainable development goals.

Hinweis: Habt ihr eine Aktion zur Fußballweltmeisterschaft in Katar in den Social Media gestartet? Dann kontaktiert doch das BDKJ-Webteam oder das Referat für Kommunikation und wir nehmen eure Aktion gerne in die Liste auf.