Die Ausbildung von katholischen Priestern

Unsere Forderung: Etabliert eine lebensnahe Ausbildung für Priester!

Strukturen, die es fördern, dass Priesteramtskandidaten unter sich bleiben, sind abzuschaffen. An die Stelle der Konvikts-und Seminarausbildung, die sich aufgrund geringer Kandidatenzahlen ohnehin kaum noch trägt, müssen neue und lebensnahe Wohn-und Begleitungsformen treten. Die pastorale Ausbildung sollte grundsätzlich gemeinsam mit den anderen pastoralen Diensten erfolgen, denn Identität und ein eigenes Rollenbild entsteht gerade im Austausch mit anderen und nicht in der Abschottung.

Darum ist die Ausbildung in Priesterseminaren nicht lebensnah

Wir glauben, dass Priesteramtskandidaten ihre Rolle in Kirche dann finden, wenn sie in Strukturen ausgebildet werden, die nah an dem Berufsbild und der Lebensform sind, die ihnen auch in ihrem späteren Dienst begegnen. Daher sind Strukturen, die es fördern, dass Priesteramtskandidaten unter sich bleiben bzw. eine vermeintlich elitäre Ausbildungssituation vorfinden, abzuschaffen. An die Stelle der Konvikts- und Seminarausbildung müssen neue und lebensnahe Wohn- und Begleitungsformen treten. („Kirche bewirbt sich“, Beschluss 2018)

So sieht die Priesterausbildung aus

Die Ausbildung der Priester findet in Priesterseminaren statt. Dort werden sie in vielen (Erz-) Diözesen in kleinen Kreisen auf ihren priesterlichen Dienst vorbereitet, außerdem wohnen sie auch schon während der ganzen Studienzeit zusammen in den Seminaren, um sich dort auf ihren zukünftigen Dienst vorzubereiten und ganz auf Jesus Christus konzentrieren zu können.

Der Austausch, die Reflexion über Erwartungen und Erfahrungen in der Vorbereitung zur Priesterweihe und auch danach, findet häufig nur in kleinen, klerikalzentrierten Gruppen statt. So entsteht die Gefahr, dass (zukünftige) Priester unter sich bleiben und Lebensrealität anderer Menschen zum Teil aus dem Blick verlieren

Das Problem mit Priesterseminaren

Jesus hatte einen Blick für Menschen in allen Lebenslagen. Diesen gewinnt man vor allem, wenn man sich in einer so wichtigen Phase wie der Ausbildung mit Menschen auseinandersetzt, die andere Lebensentwürfe verfolgen als man selbst. So wird man sich selbst und seiner Rolle als Geistlicher bewusst.

Wenn Weihekandidaten und Priester unter sich bleiben, bildet dies nicht die Situation der Lebenswelten in den Gemeinden und anderen pastoralen Orten ab. Dort treffen sie sowohl auf Familien als auch auf Menschen, die freiwillig oder auch unfreiwillig alleine leben. In den Gemeinden versammeln sich Menschen unterschiedlichster Herkunft, Persönlichkeiten, Berufen und Interessen. Diese Vielfalt an Menschen ist unter den wenigen Priesteramtsanwärtern in den Seminaren nicht gegeben. Um als Seelsorger die Lebenswirklichkeiten der verschiedenen Gemeindemitglieder zu kennen, ist es wichtig, bereits im Studium und in der Ausbildung Kontakt zu möglichst vielen verschiedenen Menschen zu bekommen. Dies ist natürlich zum einen durch verschiedene Praktika möglich, in denen sie viele verschiedene Menschen kennenlernen, zum anderen aber auch durch den Austausch mit anderen, die sich auch auf einen Dienst in der Pastoral vorbereiten und aus ihrer Rolle heraus andere Erfahrungen in der Gemeindearbeit machen.

Katholische Priester und der Zölibat

Warum gibt es den Zölibat – eine Definition

Das Wort Zölibat stammt vom lateinischen Wort „caelebs“ und bedeutet „unverheiratet“. Man versteht darunter das Versprechen, ehelos und sexuell enthaltsam zu leben. Die geweihten Priester versprechen damit ihrem Bischof, ihr ganzes Leben dem Dienst der Kirche und Gott zu widmen. Nur wer bereit ist, dem Bischof bei der Priesterweihe den Zölibat zu versprechen, wird überhaupt erst zur Weihe zugelassen. Der Zölibat solle laut Lehramt den Priestern helfen, sich voll und ganz auf ihre jeweiligen Aufgaben in Gemeinde und Seelsorge zu konzentrieren und ihr Leben ganz Gott zu widmen (CIC Can. 277 — § 1). Ihr „ungeteiltes Herz“ ermögliche es, sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen widmen zu können. Viele Gläubige und auch Priester äußern jedoch Zweifel an der Allgemeingültigkeit dieser Auffassung.

Das Zölibatsgebot wird oft damit gerechtfertigt, dass in der Bibel überliefert sei, dass schon Jesus zölibatär lebte und dies auch seinen Jüngern so aufgetragen habe. In der Bibel gibt es allerdings keine eindeutige Überlieferung für einen verpflichtenden Zölibat von Priestern. Zwar hat Jesus durchaus benannt, dass Menschen bewusst ehelos leben können, um sich dem Himmelreich Gottes zu verschreiben, um somit das ewige Leben zu erlangen (vgl. Mt 19,12). Es gibt aber kein Gebot, das zeigt, dass Menschen, die in seine Nachfolge treten und Gott und dem Reich Gottes dienen, ehelos leben müssen. Auch gibt es keine Überlieferung, die besagt, dass Jesus wirklich bewusst nicht verheiratet war.

Zölibat abschaffen! Darum sind wir gegen den Pflichtzölibat

Auch wir halten es für möglich, dennoch eine Familie zu gründen und mit Partner*in und Kindern zusammen zu leben und diese zu lieben. Der Mensch ist fähig, sich mit mehreren Aufgaben zu beschäftigen und sich sowohl dem Dienst in den Kirchengemeinden als auch dem Leben in einer Familie zu widmen. Durch angemessene Arbeitsfelder sollte es Priestern dann auch möglich sein, Familie und Priesterdienst zu vereinbaren, um so für ihren verantwortungsvollen priesterlichen Dienst in Gemeinde und Seelsorge und für die Aufgaben in der Familie da zu sein. Ein gutes Vorbild dieser Vereinbarkeit sind alle anderen pastoralen Mitarbeiter*innen, die schon seit einigen Jahrzehnten zeigen, wie Familie und pastoraler Dienst vereinbart werden kann. Dass dies auch bei Priestern möglich ist, zeigen uns die Ostkirchen, aber auch katholische Priester, die zuvor evangelische Pfarrer waren und nach ihrer Konversion katholische Priester mit einer Familie sein können.

Menschen fühlen sich berufen, einen Dienst als geweihte Person zu übernehmen, werden aber durch die Zugangsvoraussetzungen davon abgehalten. Denn das Kirchenrecht regelt sehr genau, wer zur Priesterweihe zugelassen wird. So kann nur ein unverheirateter Mann ab 25 Jahren geweiht werden, der auch ansonsten einige Voraussetzungen erfüllen muss. Kirche darf diesen Berufungen nicht im Weg stehen, weder durch den Ausschluss von Frauen vom Weiheamt noch durch eine Verpflichtung zum Zölibat.

Wir sehen es als Bereicherung, wenn geweihte Personen die Vielfalt der Berufungen und die Vielfalt der Gesellschaft abbilden – sei es durch die Vielfalt der Geschlechter oder durch die Vielfalt in den Lebensformen.

Die Bibel und der Zölibat – Zwei Beispiele

Zwei Bibelstellen zeigen, dass es in der frühchristlichen Zeit durchaus auch üblich war, dass ein Nachfolger Jesu bzw. ein Gemeindevorsteher in einer Ehe gelebt hat.

Beispiel 1: Die Schwiegermutter des Petrus

So berichten die Evangelien, dass Jesus in das Haus von Simon Petrus geht, um dessen Schwiegermutter zu heilen, die mit hohem Fieber im Bett lag (vgl. Mt 8,14). Dass Petrus eine Schwiegermutter hatte, impliziert, dass er verheiratet war. Simon Petrus war einer der ersten Männer, die Jesus in seinen Jüngerkreis gerufen hat. Des Weiteren war er der erste Bischof von Rom und wird als solcher als erster Papst benannt. Im Verlauf der Evangelien wird an keiner Stelle davon berichtet, dass er seine Frau verlassen hätte, um die Aufgabe der Leitung von Jesu‘ Kirche auszufüllen.

Beispiel 2: Die Praxis in den frühen Gemeinden der Kirche

Zwar wird überliefert, dass Paulus empfahl, ehelos zu leben (1 Kor 7,7), doch wusste er auch um die Vorteile einer Ehe: „Wenn sie aber nicht enthaltsam leben können, sollen sie heiraten. Es ist nämlich besser zu heiraten, als sich in Begierde zu verzehren.“ (1 Kor 7,9)

Die Pastoralbriefe, deren Verfassung Schülern von Paulus zugeschrieben wird, geben uns ein eindrückliches Zeugnis davon, mit welchen Aufgaben und Problemen die Christ*innen in den ersten Gemeinden beschäftig waren und welche Regelungen bezüglich der Gestaltung von Gemeinde getroffen wurden. In den Pastoralbriefen wird anhand von Katalogen aufgezeigt, wie Diakone, Presbyter und Bischöfe zu leben haben. So ist es selbstverständlich, dass ein Priester als einmal verheirateter Ehemann Vorsteher einer Familie ist:

Ich habe dich in Kreta deswegen zurückgelassen, damit du das, was noch zu tun ist, zu Ende führst und in den einzelnen Städten Älteste einsetzt, wie ich dir aufgetragen habe, wenn einer unbescholten und Mann einer einzigen Frau ist, mit gläubigen Kindern, die nicht unter dem Vorwurf der Liederlichkeit stehen oder ungehorsam sind.“ (Tit 1,5-6)

Der Schreiber dieses Briefes geht davon aus, dass jemand, der eine Familie „leiten“ kann, auch die Fähigkeiten hat, eine Gemeinde zu leiten. Diese Bibelstellen zeigen, dass es Zeiten in der Kirche gab, in denen der Zölibat keine grundsätzliche Verpflichtung war, um als Priester eine Gemeinde zu leiten.

Historischer Exkurs: Die verbindliche Verpflichtung, dass Diakone, Priester und Bischöfe zölibatär leben müssen, wurde erst 1139 auf dem zweiten Laterankonzil festgesetzt. Der Zölibat wurde unter anderem deswegen eingeführt, um sicher zu stellen, dass kirchliches Vermögen nicht angehäuft und an die Familie weitervererbt wird, sondern für Zwecke der Seelsorge verwendet wird. Deswegen sehen wir es eindeutig als möglich an, die Zeichen der Zeit zu beachten und den Zölibat nicht mehr als verpflichtendes Kriterium zu betrachten, um zum Priester geweiht werden zu können.

Katholische Priester

Argumentationshilfe zur Weiterentwicklung der priesterlichen Lebensform.