Was bewegt Litauen historisch?

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(Bild: BDKJ-Bundesstelle)

Am Freitagnachmittag ging es für uns in das Historische Institut Litauens, wo wir ein Gespräch mit dem Historiker Alvydas Nikzentaitis über die neuere Geschichte Litauens führen konnten. Nach einer kurzen Einführung in die litauische Geschichte von 1918 bis heute, ging es vor allem um die litauisch-russischen Beziehungen nach der Unabhängigkeit Litauens. Dabei gab es spannende Einblicke in die Bewegungen von russischen Oppositionellen, die von Litauen aus versuchen in das politische Geschehen Russlands einzugreifen und in politische Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Gleichzeitig wurde aber auch über das Verhältnis der beiden Staaten nach der Zeit der sowjetischen Okkupation nachgedacht, was heute stark von den Entwicklungen in der Ostukraine ab dem Jahr 2014 geprägt ist, so Nikzentaitis. „Sowjetzeit ist für uns leider noch nicht Geschichte, sie ist noch Gegenwart“ - so zitiert der Historiker einen Kollegen, der die Lage Litauens zusammenzufassen versucht.

Ein weiterer Teil unseres Gespräches war die Bedeutung des Holocaust im Zweiten Weltkrieg für Litauen und deren Aufarbeitung. Alvydas Nikzentaitis erwähnte in diesem Rahmen, dass ein großer Teil der Bevölkerung Litauens nach dem Zweiten Weltkrieg wenig an einer Aufarbeitung interessiert war und erst durch Eigeninitiativen, wie Gedenkmärsche, in den letzten Jahren ein gesteigertes Bewusstsein zu erkennen ist. Auch der Beitritt zur EU förderte die Aufarbeitung.

Mit diesem Einblick in die litauische Geschichte gab es einige neue Informationen und Perspektiven, die in den nächsten Tagen als gute Grundlage für weitere Gespräche dienen können.

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