Theologie, Kaffee und Rock'n Roll

  • Litauen-Blog

(Bild: BDKJ-Bundesstelle)

Montagmorgen, 10 Uhr 30. Nach einer guten und erholsamen ersten Nacht in Kaunas und einem super Frühstück stehen wir vor einem L-Förmigen Uni Gebäude.

Die Gruppe ist gut gelaunt, nach einem ca. fünfzehn-minütigen Spaziergang, als plötzlich ein Mann mittleren Alters, mit Halbglatze und Pferdeschwanz, freudestrahlend und mit einem coolen „Hey Guys, nice to meet you“ aus der alten Tür kommt.

Der Mann, Prof. Dr. Benas Ulevičius reicht uns allen die Hand und hat gleich viele Fragen! Die erste: „Coffee or Tea?“. Als geklärt ist, dass wir 4x Tee und 3x Kaffee wollen ziehen wir los. „Let´s go and Rock ´n Roll“ sagt der Professor und erkundet mit uns das Unigelände. Wir erfahren viel über die Geschichte der Uni, die Studierenden, sehen frisch renovierte und alte historische Räumlichkeiten.

Es gibt ca. 100 Studierende an der Fakultät, man lernt in verschiedenen Fächern, u.a. besuchen die Studierenden je eine Veranstaltung der Medizin und der Sozialwissenschaften. Die Uni hat den Anspruch, dass ihre Studierenden keine „Fachidioten“ werden. Viele Studierende sind konvertiert oder stammen aus charismatischen Bewegungen innerhalb der katholischen Kirche in Litauen. Es gibt wenig Erasmus-Studierende, weil Litauen so unattraktiv sei – Wir seien aber alle herzlich eingeladen! Diese Einladung wurde übrigens mehrfach ausgesprochen. „Wieso treffen wir uns eigentlich nicht mit Studierenden?“ fragt der Professor. Gute Frage! Vielleicht beim nächsten Mal.

Der Professor sagt mehrfach, dass wir doch bitte Fragen stellen sollen – er erzählt doch so gern! Also los: Wie finanziert sich die Kirche in Litauen? Welche Jugendverbände sind in der Kirche aktiv? Wie wird der Glaube innerhalb der Fakultät gelebt? Viele Fragen bewegen die Gruppe und den Professor.* Es ist ein sehr lebendiges Gespräch, das immer wieder nachdenklich macht oder zum gemeinsamen Lachen einlädt. Wir fühlen uns wohl; bei Tee, Kaffee, Schokolade und Plätzchen vergehen zwei Stunden wie im Flug!

Verunsichert wird der Professor noch einmal am Ende, als wir alle die letzten Worte in unsere Notizbücher schreiben und er lacht. „Sind sie vielleicht doch zum Studieren hier? Meine Student*innen schreiben bei meinen Vorlesungen nie so viel mit!“. Wir lachen zusammen. Er schaut irgendwie zufrieden. Rennt in sein Büro, kommt zurück und schenkt uns noch CDs seiner geistlichen Rockband. Er wünscht uns noch ein schönes Leben. Wir ihm auch. Wir verlassend das alte Gebäude, es beginnt zu regnen. „Wahnsinn, was für ein  bemerkenswerter Typ.“ sagt eine Teilnehmerin. „Ja“ sagt ein anderer, „wirklich sympathisch. Von ihm kann man viel lernen.“. Wir ziehen unsere Kapuzen auf und gehen los.

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