Lebendiges Brauchtum für eine bessere Welt

Sternsingen im Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen
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Aachen. Das „Sternsingen“ ist heute in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Dies teilte das Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission heute dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ mit. Das Hilfswerk der Sternsinger hatte die Aufnahme des Brauchtums in das Verzeichnis im Frühjahr beantragt. Die Aufnahme wurde gestern von der Kultusministerkonferenz und von Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, bestätigt.

„Ich bin sehr erfreut, dass der Einsatz der Sternsinger mit der Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes prominent gewürdigt wird“, so Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. „Die vielen engagierten Kinder, Jugendlichen und begleitenden Erwachsenen sind ein sichtbares Zeichen für eine aktive und bewegte Kirche in Deutschland, die einen alten Brauch lebendig fortführt in christlicher Nächstenliebe und Solidarität mit benachteiligten Kindern in aller Welt. Gerade das ehrenamtliche kirchliche Engagement wird mit der heutigen Entscheidung in besonderer Weise gewürdigt.“

Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, kennt neben dem Brauchtum auch die Wirkung der Hilfe in der Einen Welt: „Die Sternsingeraktion ist ein integraler Bestandteil im christlichen Brauchtum aller Diözesen und zugleich ein deutliches Zeichen für eine gelebte Weltkirche. Mit ihrem solidarischen Einsatz für Not leidende Gleichaltrige haben die Mädchen und Jungen dem alten Brauch einen noch tieferen Sinn gegeben, der in Kinderhilfsprojekten in aller Welt wirkt. Wenn ich in der Welt unterwegs bin, dann freue ich mich immer, wenn ich in Projekten das Schild sehe ‚Unterstützt mit Hilfe der Sternsinger!’“

„Es erfüllt uns im Kindermissionswerk mit großem Stolz, dass das Sternsingen als kulturelle Ausdrucksform anerkannt worden ist“, freut sich Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“.  „Als Hilfswerk der Sternsinger tragen wir seit dem Start der Aktion Dreikönigssingen 1959 dazu bei, dass der Brauch Jahr für Jahr überall in Deutschland mit Leben gefüllt wird. Mit der Aufnahme in das Verzeichnis dürfen sich die zahllosen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen geehrt fühlen, die bei den zurückliegenden 57 Aktionen zum Erhalt des Brauchtums beigetragen haben. All diese großen und kleinen Könige haben den christlichen Segen zu zahllosen Menschen gebracht und sind zugleich zu einem Segen für benachteiligte Kinder in aller Welt geworden. Das Sternsingen ist tatsächlich ein lebendiges Brauchtum für eine bessere Welt.“

Pfarrer Dirk Bingener, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), ergänzt: „Das ist eine wunderbare Anerkennung des Engagements vieler Kinder und Jugendlicher, die sich seit Jahrzehnten für Gleichaltrige und deren Anliegen einsetzen. Die Aktion Dreikönigssingen verbindet so das Engagement vor Ort mit dem Engagement für die Welt. Sie ist damit lokal und unmittelbar in der Begegnung, gemeinsam und global in der Wirkung. Diese Auszeichnung ist uns sehr wichtig, zeigt sie doch die kulturelle Vielfalt und den kulturellen Reichtum der Welt und damit aller Menschen.“

Freude in den Diözesen über die Würdigung des Sternsingens Die Entscheidung rief in den deutschen Diözesen große Freude hervor. Erzbischof Stephan Burger (Freiburg), macht deutlich: „Die Sternsingeraktion ist und bleibt einfach großartig: Kinder und Jugendliche bringen Freude und den Segen Gottes zu den Menschen in unseren Städten und Dörfern. Und sie schlagen durch ihre weltweit größte Solidaritätsaktion eine Brücke zu Kindern in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa. Deshalb freue ich mich sehr über die Anerkennung der Sternsinger als Kulturerbe. Das Sternsingen macht die Botschaft des Evangeliums lebendig und stiftet Identität. Sie ist Zeichen gelebter Nächstenliebe in einer globalisierten Welt. Die Entscheidung der Expertenkommission ist eine Ermutigung, diese Tradition und Solidaritätsaktion auch in Zukunft zu fördern und zu pflegen: Herzlichen Glückwunsch!“

Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, lobt aktuell auch den Sternsinger-Einsatz für Flüchtlingskinder: „Eine wunderbare und verdiente Auszeichnung. Die Sternsinger setzen sich seit über 50 Jahren wirksam für Kinder in Not ein. Auch unter Flucht und Vertreibung leiden Kinder besonders. Ich bin sehr dankbar, dass die Sternsinger auch vielen Flüchtlingskindern helfen können.“

Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) sagt: „Die Auszeichnung für die Sternsinger ist hoch verdient! Ich freue mich sehr darüber, zumal ich in meiner Kindheit selbst in meiner Heimatgemeinde Etteln als Sternsinger unterwegs war. Die Sternsingeraktion lebt davon, dass die Kinder zu den Menschen in die Häuser kommen, ihnen den Segen Gottes bringen und zugleich für ihre benachteiligten Altersgenossen in anderen Ländern sammeln. Das ist ein starkes Zeichen der Solidarität.“

Freunde und Partner gratulieren

Gratulationen gingen im Kindermissionswerk auch von weiteren Freunden und Partnern ein. So von Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti, Theologe und Brauchtumsexperte: „Herzlichen Glückwunsch! Ich habe es zwar schon lange gewusst, dass das Sternsingerbrauchtum zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands gehört. Aber nun ist es durch die deutsche UNESCO-Kommission offiziell bestätigt: Die weltweit größte katholische Kinder-Aktion, durch die Kinder Kinder unterstützen, ist nicht nur eine einmalige soziale Aktion, sondern auch ein Beispiel für zeitgemäßes Brauchtum, dass sich über Jahrhunderte erhalten und immer wieder angepasst hat. Alle Ehren- und Hauptamtler und vor allem alle Unterstützer dürfen sich freuen!“ Becker-Huberti ist unter anderem Autor des Buches „Die Heiligen Drei Könige – Geschichte, Legenden und Bräuche“, in dem er auch auf das Sternsingen als Brauchtum eingeht. Den Antrag an die Deutsche UNESCO-Kommission hatte er mit einem Empfehlungsschreiben unterstützt.

Eugen Gehlenborg, Mitglied des DFB-Präsidiums und beim Deutschen Fußball-Bund verantwortlich für Sozial- und Gesellschaftspolitik freut sich ebenfalls: „Die Hilfe der Sternsinger für Kinder in aller Welt ist einfach großartig. Seit vielen Jahren kooperiert die DFB-Stiftung Egidius Braun erfolgreich mit den Sternsingern, zuletzt vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014, als man gemeinsam etwa in Recife, Sao Paulo, in Rio de Janeiro und am deutschen Teamcamp in Santo André Sozialprojekte zum Wohle der Kinder Brasiliens unterstützte. 19 Projekte in 15 Städten konnten so gefördert werden. Das Engagement der Sternsinger, das sich aus einem mittelalterlichen Brauch entwickelte, hat sich die Auszeichnung verdient. Dazu gratuliere ich von Herzen.“

Bruder Lothar Wagner SDB, Direktor Don Bosco Fambul, schreibt aus Sierra Leone: „Über den Eintrag der Aktion Dreikönigssingen in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes freue ich mich sehr. Hiermit wird der gute Brauch von Einsatz durch Kinder für Kinder ausgezeichnet, der vorbildhaft ist und seinesgleichen sucht. – Ich erinnere mich sehr wohl daran, wie ich selbst als Kind singend als König durch eisige Kälte mit meinen Freunden gezogen bin. Dieser Einsatz hat sich gelohnt und hat mich persönlich sehr geprägt. Die Sternsingeraktion ist eine Hilfsaktion mit viel Engagement und Überzeugungskraft. Heute kann ich direkt vor Ort bei notleidenden Kindern in Sierra Leone sehen, was dieser Brauch bewirkt: direkte und unmittelbare Hilfen für verlassene und einsame Kinder. Mit meinem Glückwunsch verbinde ich meinen aufrichtigen Dank, auch im Namen meiner Mitbrüder und Mitarbeiter sowie den vielen jungen Menschen aus Sierra Leone, denen durch diesen Brauch geholfen wurde. In dankbarer Verbundenheit.“

Schwester Esther, Little Sisters of St. Francis, langjährige Projektpartnerin der Sternsinger in Nairobi, Kenia, schickt ebenfalls per Mail die Gratulation an die Sternsinger: „Verbunden mit meinem tiefempfundenen Dank, gratuliere ich den Sternsingern. Ich danke den Sternsingern für die unermüdlichen Bestrebungen, schutzlose und hilfsbedürftige Kinder in Kenia zu unterstützen. In dem gleichen Geist, der von Papst Franziskus weltweit verkündet wird, haben die Sternsinger das Leben vieler armer Menschen in Kasarani und Nakuru in Kenia verändert, vor allem das Leben von Waisen und gefährdeten Kindern. Gott segne euren selbstlosen Einsatz , eure Aktion und die großzügigen Menschen in Deutschland.“

In der heutigen Mitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission an das Kindermissionswerk heißt es zur Begründung unter anderem: „Das Expertenkomitee würdigt ihren Vorschlag als Heischebrauch zu karitativen Zwecken, der Anknüpfung zu Brauchformen zu anderen Zeitpunkten im Jahresverlauf sowie zu Praktiken in Nachbarländern hat. Die Dreikönigstags-Tradition ist damit Teil eines europäischen Brauchkomplexes. Als Titel wird ‚Sternsingen’ für verbindlich erklärt.

Rund 948 Millionen Euro, rund 68.600 Projekte Träger der Aktion Dreikönigssingen, in der das Sternsingen seit 1959 als Brauchtum zum Ausdruck kommt, sind das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit ihrem Start vor 56 Jahren hat sich die Aktion zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Rund 948 Millionen Euro wurden seither gesammelt, rund 68.600 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt. Bei der 57. Aktion zum Jahresbeginn 2015 hatten die Mädchen und Jungen aus 10.515 Pfarrgemeinden, Schulen und Kindergärten mehr als 45,5 Millionen Euro gesammelt. Mit den Mitteln fördert die Aktion Dreikönigssingen weltweit Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pastoral, Ernährung, soziale Integration und Rehabilitation sowie Nothilfe.

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