Familiärer Empfang bei Bundespräsident Christian Wulff

Sternsinger schreiben Segen an Schloss Bellevue und lernen den Amtssitz kennen
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Berlin.  Herzlicher kann ein Empfang für die Sternsinger am Dreikönigstag kaum laufen. Gemeinsam mit Gattin Bettina und Söhnchen Linus empfing Bundespräsident Christian Wulff am Donnerstag 50 Sternsinger aus den Pfarrgemeinden Heilig Kreuz in Hamburg-Neugraben und Maria Hilfe der Christen in Ribnitz-Damgarten (Erzbistum Hamburg) im Schloss Bellevue. Für Wulff war es der erste Sternsingerempfang im Amt des Bundespräsidenten, doch in der Thematik kennt er sich bestens aus. „Als ich nach meinem Amtsantritt am 1. Juli ins Schloss kam und habe an sehr vielen Türen euren Segen gesehen, da wusste ich, dass die Amtszeit unter einem guten Stern steht“, erzählte der Bundespräsident den Mädchen und Jungen. Für die Kinder nahm er sich sehr viel Zeit, stand geduldig Rede und Antwort bei deren zahlreichen Fragen und drehte mit der gesamten Gruppe sowie der versammelten Medienschar eine ausführliche Runde durch seinen Amtssitz. Zum Abschluss wünschte sich der Bundespräsident den Segen auch noch für sein Arbeitszimmer – und berichtete den begeistert zuhörenden Sternsingern dabei von so manchem Erlebnis in seinem Berufsalltag.

Bei spiegelglatten Fußwegen nach einem kräftigen Eisregen in den Morgenstunden wurde der erste Teil der Veranstaltung kurzfristig von der Treppe vor dem Schloss in die Empfangshalle verlegt. Auf dem nach innen zu öffnenden großen Schlossportal konnten die Brüder Florian (14) und Thomas Terschluse (9) aus Hamburg-Neugraben den Sternsingersegen 20*C+M+B+11 dennoch klassisch auf die Außenseite der Tür schreiben. Gemeinsam mit dem Bundespräsidenten und dessen Familie knüpften die Sternsinger anschließend eine lange Kette mit Kramas, den bunt karierten Schals der Khmer aus Kambodscha, dem Beispielland der Aktion Dreikönigssingen 2011.

Ein Dank im Namen der Bundesrepublik

„Ihr seid Teil der größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder in der Welt, und darauf könnt ihr stolz sein“, würdigte der Bundespräsident in seiner Ansprache das Engagement der Sternsinger. „Ich habe euch eingeladen, um diesen Einsatz anzuerkennen und danke euch im Namen der Bundesrepublik Deutschland für eure Aktion.“ Ein Dankeschön richtete der Bundespräsident aber auch an die erwachsenen Sternsingerbegleiter und die engagierten Eltern überall in der Republik.

Ihr aktuelles Aktionsleitwort „Kinder zeigen Stärke“ stellten die Sternsinger in einem kurzen Anspiel vor. „Unsere Familien machen uns stark, unsere Freunde, unser Glauben, dass wir zur Schule gehen können, in Frieden und Sicherheit leben und dass wir gesund sind“, zählten die Kinder auf und formulierten daraus auch gleich Wünsche für die Kinder in der Einen Welt. Emma Ingenlath (12) aus Neugraben sowie Julia Dorroch (14) aus Graal-Müritz und Jonathan Luck (12) aus Ribnitz-Damgarten nahmen anschließend die Spende des Bundespräsidenten in ihren Sammeldosen entgegen. Eine Auswahl unter der vier vorgeschlagenen Projekten hätte er nicht treffen können, machte Wulf deutlich. Ganz pragmatisch teilte er seine persönliche Spende also auf vier Einrichtungen für Kinder mit Behinderungen in Südafrika, Kambodscha, Brasilien und Israel/Palästina auf.  „Ich hoffe, dies ist ein weiterer Sammelbeitrag, der die gesamte Aktion zu einem Riesenerfolg werden lässt“, so der Bundespräsident.

„Er erklärt wie ein Papa“

Begleitet von Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, und von Pfarrer Simon Rapp, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), durften sich die Kinder anschließend das Schloss anschauen. Die Führung übernahm der Hausherr persönlich. „60 0der 70 Zimmer hat das Schloss, und ich habe auch noch nicht alle gesehen“, erzählte der Bundespräsident. Zwischendurch beantwortete er immer wieder sehr aufgeschlossen die Fragen der wissbegierigen Kinder. „Wenn die Flagge über dem Schloss weht, dann bin ich da“ oder „im Park von Bellevue leben zwei Füchse“ lauteten die kurzweiligen Antworten. Lediglich bei der Frage nach der Zahl seiner „Aufpasser“ blockte der Präsident. „Na ja, das ist ein Staatsgeheimnis“, so Wulff lächelnd, aber eigentlich müsste ja eh die ganze Nation auf ihn aufpassen.

Die Sternsinger waren vom Präsidenten jedenfalls begeistert. „Der redet nicht so von oben herab, er erklärt wie ein Papa. Man kann mit ihm reden wie mit seinem Vater“,  so Emma aus Neugraben und Julia aus Graal-Müritz.

Der Empfang der Sternsinger beim Bundespräsidenten hat Tradition. Bei der Premiere 1983 empfing der damalige Bundespräsident Karl Carstens die Kinder in der Villa Hammerschmidt in Bonn. Auch die Nachfolger Roman Herzog, Johannes Rau und Horst Köhler begrüßten die Sternsinger. Seit 2005 reisen jeweils Kinder aus einem anderen Bistum nach Berlin. Vor sechs Jahren waren Sternsinger aus dem Erzbistum Köln eingeladen, 2006 eine Gruppe aus dem Bistum Görlitz, 2007 „Könige“  aus dem Erzbistum Bamberg, 2008 Mädchen und Jungen aus dem Bistum Speyer, 2009 Sternsinger aus dem Bistum Hildesheim und 2010 kleine Könige aus dem Erzbistum Berlin.

Mehr als 730 Millionen Euro, über 58.700 Projekte

Träger der Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Mehr als 730 Millionen Euro wurden seither gesammelt, über 58.700 Projekte für benachteiligte Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt. Bei der 52. Aktion zum Jahresbeginn 2010 sammelten die Mädchen und Jungen aus 11.853 Pfarrgemeinden 40,6 Millionen Euro. Mit den Mitteln fördert die Aktion Dreikönigssingen weltweit Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pastoral, Ernährung, soziale Integration und Rehabilitation sowie Nothilfe. (röm)

> Bilder, Videos und mehr Infos gibt es auf www.sternsinger.org

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