Arbeitshilfe

In der Arbeitshilfe werden die Inhalte der Theologie der Verbände in einer Geschichte aus dem Leben einer Verbandlerin oder eines Verbandlers von Jugendbuchautor Christian Linker plastisch erzählt, Methoden zur Aneignung und Umsetzung der Inhalte mit Gruppen erläutert und Erfahrungen beschrieben.

Die Story, Kurzzusammenfassungen und Methoden findet ihr auch hier, den gesamten Text der Arbeitshilfe könnt ihr im Download-Bereich herunterladen oder sie direkt als Broschüre bei der BDKJ-Bundesstelle bestellen.

Story

„Und es wäre wirklich schön, wenn bei dem Planungstreffen auch jemand von der katholischen Jugend dabei wäre“, sagt der Mann aus dem Büro der Bürgermeisterin. „Also, bis dahin.“

Und legt auf.

Jemand von der katholischen Jugend.

Du.

Und du wirst hingehen, trotz deines ohnehin schon vollen Kalenders. Du gehst hin, weil es dein Job ist – natürlich ehrenamtlich. Und weil es dir natürlich wichtig ist. Auf Leute wie dich ist Verlass. Auf die Leute von der katholischen Jugend. Wer immer die auch sein mögen, diese katholische Jugend. Für deinen Pfarrer, deinen Bischof und für die älteren Damen, die beim Pfarrfest immer den Kuchen backen, seid ihr diese Landjugend oder diese Pfadfinder oder diese KjG oder … diese Verbände jedenfalls – ein bisschen wie die Messdienerinnen und Messdiener, aber auch ganz anders. Für die Leute im Stadtjugendring oder im Eine-Welt-Netzwerk oder auf dem Zeltplatz seid ihr hingegen diese Katholiken – ein bisschen wie die Jungfeuerwehr, aber auch ganz anders.

Du gehst also zu diesem Termin, und die Leute dort schauen dich an, und du hast jede Menge unsichtbare Aufkleber auf der Stirn: Rebell, Chaotin, Kirchenvertreterin, Jugendfunktionär, Vereinsfetischistin … Welcher Aufkleber passt zu dir, welcher nicht?

Wer seid ihr denn eigentlich wirklich, ihr katholischen Kinder- und Jugendverbände? Jenseits all dieser Zuschreibungen von außen? Wer wollt ihr denn sein?

Diese Arbeitshilfe ist schon wieder ein Termin. Zumindest eine Einladung. Wir laden dich ein zu einem Treffen mit dir selbst und mit den Leuten, mit denen du in deinem Verband zusammenarbeitest. Nicht zuletzt mit Gott, aber der kommt ja eh immer dann vorbei, wenn zwei oder drei in Jesu Namen versammelt sind. Wir laden dich ein, darüber nachzudenken, was dein Denken, Sprechen und Handeln im katholischen Kinder- und Jugendverband ausmacht.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat, um diesen Prozess zu starten, einen „Beitrag zu einer Theologie der Verbände“ vorgelegt. Wenn du das Wort „Theologie“ klassisch übersetzt, heißt es entweder die „Wissenschaft über Gott“ oder, noch klassischer: „Reden über Gott“. Wenn wir also eine „Theologie der Verbände“ verhandeln, steht dahinter die These, dass wir in den Verbänden auf eine ganz spezielle Art von Gott reden. Eine Art, die uns von Anderen in der Kirche unterscheidet. Und die uns zugleich vom Rest der Welt unterscheidet, der vielleicht ganz anders von Gott spricht oder auch gar nicht.

Es geht hier also um Unterscheidung. Nicht um Abgrenzung, denn Abgrenzung macht einsam. Unterschiede hingegen machen neugierig. Deshalb findest du auf den folgenden Seiten viele Ideen und praktische Tipps, wie wir Andere in Kirche und Gesellschaft auf uns neugierig werden lassen  können. Nicht zuletzt auch, wie wir selber auf uns und aufeinander neugierig werden können.

Stellen wir uns also vor, du gehst zu dem Termin im Rathaus, zu dem du eingeladen wurdest. Sagen wir, es geht um ein Bürgerfest eurer Stadt, an dem alle möglichen gemeinnützigen Organisationen mitwirken sollen.

Du kommst da also hin und hast diese unsichtbaren Aufkleber voller Zuschreibungen an der Stirn haften. Für die meisten Menschen im Raum bist du jetzt einfach eine Person, die in diesem Augenblick die katholische Kirche repräsentiert. In dir trifft die Kirche quasi leibhaftig die Welt.

Ja, das klingt komisch. Fast, als sei die Kirche nicht selbst ein Teil der Welt. Okay – natürlich ist die Kirche ein Stück unserer Welt, denn sie besteht aus Menschen, aus Gebäuden und sehr vielen Dingen, die man alle anfassen kann. Sie tut viel Wahres, Schönes und Gutes, hat aber auch einiges auf dem Kerbholz. Wie jede andere Organisation auch. Doch gleichzeitig möchte sie mehr sein. Sie ist „hervorgegangen aus der Liebe des ewigen Vaters“, so steht es im Konzilsdokument Gaudium et Spes, sie wurde „in der Zeit gestiftet von Christus dem Erlöser.“ Die Formel „in der Zeit“ sagt: zu einem konkreten Moment an einem konkreten Ort – nicht symbolisch oder abstrakt, sondern auf den staubigen Straßen einer kleinen Provinz am Rande des Römischen Reiches. Und theoretisch könntest du die Kette der Überlieferung von dir selbst und deinen Eltern (und Patinnen und Paten, Gruppenleiterinnen und –leitern, Katechetinnen und Katecheten …) durch die Jahrhunderte zurückverfolgen bis hin zu einer Frau oder einem Mann, die oder der damals live dabei gewesen ist. Durch all diese Zeitalter hindurch ist der Geist Jesu weitergetragen worden und lebendig geblieben. Diesen Geist, der „die Liebe des Vaters“ ist, nennen wir den Heiligen Geist, von dem wir glauben, dass er die Kirche leitet, bis wir das „endzeitliche Heil“ erreichen. Wie das wohl aussehen kann, ist schwer zu beschreiben. Trotzdem haben wir zumindest manchmal eine entfernte Ahnung, wie es sich anfühlen könnte, tatsächlich umfassend in der Liebe Gottes zu sein und „das Leben in Fülle zu haben“, das uns versprochen ist. Und auch du kennst diese Augenblicke, an denen diese Ahnung plötzlich aufblitzt und zu einem kleinen Stück Realität wird – vielleicht hast du es bei der letzten 72-Stunden-Aktion erlebt oder bei einer Begegnung mit jungen Geflüchteten, vielleicht bei einer hitzigen Diskussion in deinem Vorstandsteam oder beim Singen am Lagerfeuer … Es sind diese Momente, die zeigen, dass eine andere Welt möglich wäre.

Insofern können wir sagen, dass mit der Kirche das Reich Gottes schon in unsere Welt hineinragt.

Beziehungsweise – jetzt ragst du erstmal in diesen Sitzungsraum hinein. Da sind dann Leute von Wohlfahrtsverbänden, Sportvereinen, Bürgerinitiativen, Schulen … eine bunte Mischung. Mitten drin du. Natürlich gibt es zu Beginn eine Vorstellrunde.

„Mich hat die Arbeiterwohlfahrt geschickt“, sagt Frau Paschkowski neben dir.

Du fragst dich, ob du auch geschickt worden bist. Eigentlich nicht, eigentlich hast du es dir selber überlegt. Beziehungsweise habt ihr in eurem Vorstandsteam überlegt, dass es wichtig wäre, euch an dieser Aktion zu beteiligen. Deshalb bist du hier. Trotzdem bist du auch geschickt worden. Oder gesandt, denn du hast – so behauptet die Theologie – „Anteil an der Sendung der Kirche“. Du bist getauft und gefirmt und besitzt damit eine „Sendung“, die die Kirche als „Apostolat“ bezeichnet. Ja, richtig gelesen: Du bist gewissermaßen jetzt als Apostelin oder Apostel hier im Rathaus gelandet. Denn die Kirche hat den Auftrag, die Welt mitzugestalten. Und du gestaltest jetzt gerade deine Stadt mit. Dein Auftrag: Du sollst die Welt (für den Anfang halt erstmal deine Stadt) „in Christus erneuern und in die Familie Gottes umgestalten.“ Sagt jedenfalls Gaudium et Spes. Kleinigkeit.

Bevor du aber dazu kommst, darüber nachzudenken, geht erstmal die Vorstellrunde weiter. Und was mal wieder typisch ist: Du bist die jüngste Person im Raum. Das liegt vielleicht daran, dass katholische Jugendverbände selbstorganisiert und demokratisch verfasst sind. Niemand spricht in eurem Namen über eure Köpfe hinweg, vielmehr leitet und vertretet ihr euch selbst. Auch da, wo ihr vielleicht angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habt, sagt ihr selbst, wo es langgeht. Das unterscheidet euch von vielen anderen Organisationen. Und das forderst du auch von anderen ein. Du erwartest nämlich von diesem Treffen, dass nicht unverbindliche Vorschläge gemacht werden, über die später das Büro der Bürgermeisterin nach Gutdünken entscheidet, sondern dass hier partizipativ gearbeitet wird – wie du es aus deinem eigenen Verband gewohnt bist. 

Das mag anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Treffens komisch vorkommen – wie auch die Tatsache, dass du das alles ehrenamtlich tust. Du hast dir das selber ausgesucht. Nicht, weil es ja schließlich irgendwer machen muss, sondern weil es dir Spaß macht, deine Talente zu entfalten, dich im Engagement mit anderen auszuprobieren und aus vollem Herzen Ja zu dem zu sagen, was du da tust. Das Prinzip der Freiwilligkeit klingt recht modern, aber du findest es schon in der Bibel: Die Geschichte Jesu beginnt mit einer autonomen Entscheidung. Denn Maria wird nicht ungefragt zur Mutter Gottes gemacht. Erst ihre persönliche Zustimmung – „Mir geschehe nach seinem Wort!“ – lässt die Heilsgeschichte möglich werden.

Und weil euch eben Selbstbestimmung und Freiwilligkeit wichtig sind, richtet ihr eure Arbeit in den katholischen Jugendverbänden konsequent an den Lebenswelten der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus. Deshalb runzelst du die Stirn, als unter Tagesordnungspunkt 2 jetzt der Typ von der Eventagentur seine Ideen vorstellt. Die klingen vielleicht nett, haben aber nur wenig mit der Lebensrealität der jungen Menschen in deiner Stadt zu tun. Als du in der anschließenden Diskussion forderst, den Skaterpark und das Jugendcafé einzubeziehen, ist es der Eventmanager, der die Stirn runzelt. Aber du legst gerade erst richtig los: Kinder wollen mehr als nur Kinderschminken und interkulturelle Öffnung erschöpft sich nicht darin, Geflügelwürstchen anzubieten. Apropos: Wenn schon Geflügel, dann bitte Bio, aber fleischlos ginge doch auch. Was hingegen gar nicht geht, ist Coca Cola. Aber wenn das alles so schwer zu vermitteln sei, wie jetzt der Mann schräg gegenüber erwidert, dann wäre dein Verband gern bereit, fürs Bühnenprogramm eine kleine Podiumsdiskussion über kritischen Konsum einzubauen. Und außerdem – wäre das Fest nicht eine großartige Chance, die Begegnung mit den in der Stadt lebenden Geflüchteten zu vertiefen?

Ein paar Leute sind durchaus genervt von deinen Vorschlägen. Einfach nur das Konzept abzunicken, wäre einfacher gewesen. Dabei geht es geht dir nicht um Prinzipienreiterei. (Obwohl hier genau das angesprochen ist, was die Theologie der Verbände als Verbandsprinzipien definiert.) Aber manchmal nervt es eben Leute, sich damit auseinanderzusetzen, ob Produkte unter sklavereiähnlichen Bedingungen hergestellt werden, ob Tiere nur eine Vorstufe von Formfleisch sind, ob Menschen in einer Stadt sich lediglich gegenseitig tolerieren oder wirklich miteinander leben wollen.

„Ausgerechnet die Kirche macht sich für Partizipation stark?“, lästert jemand halblaut.

Schon willst du erwidern: „Wir … ich … bin nicht die Kirche.“

Schaffst du es, diesen Satz runterzuschlucken? Eigentlich wolltest du nämlich sagen: „Wir sind zwar die Kirche, aber nicht Ihr Bild von Kirche, Herr Kollege.“

Aber sowas sagt sich nicht so leicht. Vor allem – könntest du, falls der Kollege dann zurückfragt, in einfachen Sätzen erläutern, was denn dein Bild von Kirche ist? Schwierig.

In seiner Theologie der Verbände behauptet der BDKJ zumindest, dass dein Verband Kirche ist. Nicht irgendein Anhängsel oder der verlängerte Arm von jemand anderem. Denn die Jugendverbände haben alles, was Kirche zur Kirche macht: Ihr feiert Gottesdienst, ihr sprecht über euren Glauben und engagiert euch aus diesem Glauben heraus für andere Menschen. Gerade darin, dass ihr euch nicht mit Armut und Unrecht abfindet, dass es euch nicht egal ist, ob Millionen auf der Flucht sind, während sich der Planet überhitzt; gerade darin erweist sich, ob euer Feiern, Sprechen, Beten irgendeine Relevanz für die Menschen im Hier und Heute hat.

Und die Mehrheit der Menschen in diesem Sitzungsraum findet es nach längerer Diskussion auch relevant, was du zu sagen hast. Sie folgen den meisten deiner Vorschläge. Aber für Hochgefühl deinerseits bleibt wenig Zeit. Denn wie das so ist, wenn du gute Vorschläge machst – du kriegst gleichzeitig den Job, dich um die Umsetzung zu kümmern. Und dir ist natürlich sofort klar, dass dein Verband das nicht alleine schafft. Ihr werdet Hilfe brauchen. Und dazu ist als erstes ein Anruf nötig, vor dem es dich ein bisschen gruselt…

Du greifst zum Telefon und wählst die Nummer von Frau Mälzer. Frau Mälzer ist Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von St. Nikolaus; das ist die Pfarrei in der Innenstadt. Zum Pfarrgebiet gehört die Fußgängerzone, wo das Bürgerfest stattfinden soll. Leider ist Frau Mälzer nicht gut auf dich zu sprechen; auf dich und die Kinder- und Jugendverbände überhaupt. Sie ist nämlich immer noch sauer wegen der Sache mit der Firmung letztes Jahr.

„Aha, guten Tag“, sagt sie knapp. „Was kann ich für Sie tun?“

„Eine Menge“, antwortetest du mit einem Lächeln, das Frau Mälzer hoffentlich hören kann. „Denn im Sommer soll es ein großes Bürgerfest direkt vor Ihrer Haustür geben. Quasi. Also vor dem Portal von Ihrer Pfarrkirche. Wir von den Jugendverbänden wollen uns da einbringen und da dachten wir, wir könnten vielleicht zusammenarbeiten. Also die Pfarrgemeinde St. Nikolaus und unsere Verbände.

„Zusammenarbeiten?“, wiederholt Frau Mälzer schnippisch. „So wie bei eurer Firmung seinerzeit?“

Du seufzt.

Vergangenes Jahr hattet ihr nämlich euer Pilotprojekt „Firmung im Jugendverband“ gestartet – da waren Jugendliche eingeladen gewesen, sich nicht innerhalb ihrer Pfarrgemeinde auf die Firmung vorzubereiten, sondern in ihren Verbandsgruppen, bei Workshops und einem großen abschließenden Zeltlager, bevor dann der Weihbischof in eure Stadt kam und allen teilnehmenden jungen Menschen in einer bewegenden Messfeier das Sakrament der Firmung spendete. Er, also der Weihbischof, hatte die Idee super gefunden. Denn die Firmung soll ja die Verbundenheit mit der ganzen Kirche vertiefen und den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus weiten; das ist ja überhaupt auch der Grund, warum dafür extra ein Weihbischof anreist und nicht der örtliche Pfarrer das Sakrament spendet.

Nur Frau Mälzer hatte das doof gefunden und dir damals eine böse Email geschrieben.

„Da haben wir eh schon Probleme, überhaupt noch junge Leute für die Arbeit in der Gemeinde zu erreichen“, hatte sie damals geschimpft, „und dann kommt auch noch der BDKJ und nimmt sie uns weg!“

„Ich weiß, dass Sie sich geärgert haben“, sagst du versöhnlich. „Aber Sie wissen auch, dass aus dem Projekt eine neue KjG-Gruppe in Ihrer Pfarrei entstanden ist. Und eine DPSG-Siedlung, die demnächst ein eigener Stamm werden wird. Ich denke schon, dass die Jugendarbeit bei Ihnen davon profitiert hat.

„Ach“, macht sie bloß und du kannst förmlich hören, wie sie abwinkt. „Ach, die machen doch nur ihr eigenes Ding.“

„Stimmt“, antwortest du prompt. „Dafür sind sie schließlich da.“

„Wie bitte?“

 Du könntest ihr jetzt – wieder einmal – erklären, dass Kinder- und Jugendverbände autonom arbeiten, dass sie Teil der Pfarrgemeinde sind, aber gleichzeitig unabhängig; dass ein Verband weit über die Pfarrei hinausgeht, weil er im ganzen Bistum, ja bundesweit vernetzt ist und sogar zu einem weltweiten Zusammenschluss von ähnlichen Jugendverbänden auf allen Erdteilen gehört. Aber erstens hast du das schon so oft erklärt. Und zweitens weißt du, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Denn in den Ortsgruppen treffen sich Kinder und Jugendliche aus ihrem Stadtteil, sie haben einen Bezug zu ihrem „Sozialraum“ und schätzen das Jugendheim neben der Kirche als einen ganz nahen und vertrauten Ort, den sie zu Fuß oder mit dem Rad erreichen können. Du kannst dich ja selber noch gut erinnern, wie du deine Gruppenstunden geliebt hast, diesen geschützten Ort. Dort sind Freundschaften fürs Leben entstanden, ihr konntet über alles reden, egal ob Musik, Politik, Sex, Sport oder Jesus Christus. Hier durfte dein persönlicher Glaube wachsen und sich entfalten, es gab Vorbilder aber keine Bevormundung. Vor allem hast du Gemeinschaft erlebt, konntest deine Themen und Fragen einbringen – ja, ohne diesen Ort wärst du vielleicht niemals mit Christus in Berührung gekommen, hättest „mit Kirche nichts am Hut“.

Klar, die Pfarrei war irgendwie die Umgebung für all das, aber deine eigentliche Gemeinde, deine spirituelle Heimat, war schon immer dein Jugendverband.

„Was ist denn mit dem Bücherei-Team?“, fragst du schließlich. „Mit der Frauengemeinschaft? Dem Kindergarten? Dem Seniorenkreis? Machen die nicht auch alle ihr eigenes Ding? Sind das nicht auch alles Gemeinden in der Gemeinde?“

„Worauf wollen Sie hinaus?“

„Darauf, dass wir nicht in Konkurrenz zueinander stehen“, erwiderst du. „Sie sagen doch selbst, dass alles immer schwieriger wird, wenn immer mehr Pfarreien zusammengelegt werden. Ist es da nicht umso wichtiger, dass Leute selber Verantwortung übernehmen?“

„Das stimmt natürlich“, sagt Frau Mälzer. „Aber trotzdem kann nicht einfach jeder machen, was er will. Einer muss doch den Laden zusammenhalten. Und das ist eben Herr Pfarrer Blömer.“

Okay – an dieser Stelle werdet ihr euch wohl nie einig werden. Du findest sowieso, dass Frau Mälzer da ein leicht seltsames Rollenverständnis hat. Ihre Aufgabe als PGR-Vorsitzende sei es, hat sie einmal gesagt, dem Pfarrer den Rücken freizuhalten. Deine Auffassung von einem Mandat der Laien in der Kirche ist anders ... Und außerdem ließe sich sehr darüber streiten, was es überhaupt heißt, „den Laden zusammenzuhalten.“ Die Kirche sagt, dass der Pfarrer einen Dienst an der Einheit zu leisten hat. Er tut das stellvertretend für den Bischof, denn der Bischof ist der eigentliche Seelsorger seiner Diözese. Im Grunde gibt es nämlich nur eine einzige Strukturebene, die zum Wesenskern der Kirche gehört: dass sie in Diözesen unterteilt ist. Weshalb man die Bistümer auch als Ortskirchen bezeichnet, obwohl sie natürlich viele einzelne Orte, Dörfer, Städte, Regionen umfassen. (Pfarreien waren nämlich nicht immer so wichtig für das Glaubensleben, wie wir es kennen – und werden es vermutlich auch nicht immer sein.) Darum ist die Verbindung mit dem Bischof so bedeutsam, denn sie macht die Verbundenheit mit der ganzen, weltweiten Kirche deutlich. Dazu stehen die katholischen Kinder- und Jugendverbände auch, denn sie haben sich ausdrücklich dem kirchlichen Recht unterstellt, sodass jeder Diözesanverband mit seinem Bischof zusammenarbeitet. Aber sie haben das freiwillig getan, denn nach diesem kirchlichen Recht sind die Verbände autonom. „Dienst an der Einheit“ heißt dann eben nicht, dass der Bischof alles auf eine Linie zu bringen muss, sondern dass er die Einheit in der Vielfalt bewahrt; dass er also auch die Verbände in ihrer Autonomie und Eigenart respektiert und fördert. Und was für den Bischof gilt, gilt auch für seine Pfarrer.

„Apropos Pfarrer“, sagst du, „wir würden gern an dem Tag des Bürgerfestes um 18 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst bei Ihnen in der Nikolaus-Kirche feiern.“

„Da müssen Sie Pfarrer Blömer selber fragen, ob er da Zeit hat“, antwortet Frau Mälzer.

Und du so: „Ich frag ihn, ob wir in der Kirche Gottesdienst feiern dürfen. Er selber ist natürlich herzlich eingeladen, aber er muss nicht zwingend dabei sein.“

„Ach“, macht Frau Mälzer wieder.

„Ja“, sagst du, „wir haben in den Verbänden unsere Geistlichen Leiterinnen und Leiter.“

„So, so. Aha.“

Natürlich weiß Frau Mälzer, was eine Geistliche Verbandsleitung ist; du hast selbst schon mal mit ihr darüber diskutiert. Sie weiß, dass in den Kinder- und Jugendverbänden Priester und Laien partnerschaftlich zusammenarbeiten; dass Geistliche Leiterinnen und Leiter nicht von oben bestimmt, sondern demokratisch gewählt werden; dass auch Männer und Frauen ohne theologisches Studium eine Ausbildung zur Geistlichen Verbandsleitung absolvieren und vom Bischof für diese Aufgabe beauftragt werden können. Dass sich auch darin die besondere Verbindung zwischen Verband und Kirche spiegelt, weil das Geistliche, Theologische, Spirituelle nicht nur ein Gebiet für Fachleute ist, sondern eine Aufgabe für alle, die in einem katholischen Kinder- und Jugendverband Verantwortung tragen. All das hast du Frau Mälzer schon einmal erklärt; und genau wie damals beschleicht dich auch jetzt wieder dieses Gefühl, dass sie vielleicht bloß – nun ja – irgendwie neidisch ist. Sie mag es nicht zugeben wollen, aber eigentlich wünscht sie sich so etwas auch für die Pfarrseelsorge. Vielleicht wäre sie selbst gern eine Art Geistliche Leiterin. Die dem Pfarrer nicht nur „den Rücken freihält“ in allen möglichen organisatorischen Fragen, sondern gern genauso partnerschaftlich mit ihm zusammenarbeiten würde, wie das in den Verbänden der Fall ist. Vielleicht habt ihr beide in diesem Augenblick eine Ahnung davon, dass die Arbeit der Kinder- und Jugendverbände in mancher Hinsicht sogar Vorbildcharakter für die ganze Kirche haben könnte. Dass der BDKJ sowas meint, wenn er sich eine „geschwisterliche und dialogische Kirche“ wünscht. Aber Frau Mälzer würde es natürlich nicht zugeben.

„Haben Sie nicht vielleicht Lust, Frau Mälzer“, fragst du, „im Vorbereitungskreis für den Gottesdienst mitzumachen?“

„Ähm …“ Frau Mälzer zögert einen Augenblick. Dann gibt sie sich einen Ruck, nimmt Anlauf und springt über ihren Schatten. „Na ja, warum nicht. Schicken Sie mir Terminvorschläge. Ich kümmere mich darum, dass wir die Kirche für den Gottesdienst nutzen können. Was brauchen Sie noch?“

Keine drei Minuten später steht eine lange Liste, die von der Hüpfburg über zwanzig Biertischgarnituren bis hin zu Bühne und Technik für die Podiumsdiskussion (die zum fairen Konsum, das hattest du dir ja eingebrockt …) reicht, und am Ende des Telefonats hast du das gute Gefühl, dass du die größte Hürde auf dem Weg zum Bürgerfest überwunden hast.

Wie sehr du dich da doch irrst …

Das Bürgerfest rückt näher und die Planungen nehmen Gestalt an. Nur eine Sache muss noch angegangen werden – der Gottesdienst. Normalerweise wäre das gar nicht deine Baustelle, du kümmerst dich meistens eher um politische Themen. Aber nach deinem Telefonat mit deiner neuen Freundin Frau Mälzer („Wollen wir uns nicht duzen? Ich bin Annemarie.“) fühlst du dich verpflichtet, im zuständigen AK mitzuarbeiten. Außer dir sind vor allem die üblichen Verdächtigen dabei: PSG-Kuratin Birte, Theologiestudent Julian aus KSJ, Sven vom evangelischen Jugendchor und Leni vom Spiri-AK der Kolpingjugend. Dann natürlich Annemarie Mälzer und außerdem zwei junge Menschen, die du noch nicht kennst; sie heißen Janine und Victor und veranstalten manchmal mit ihren Freundinnen und Freunden „Anbetungsabende“ in der Kirche. Pfarrer Blömer hatte darum gebeten, man solle die Beiden doch irgendwie in die Sache integrieren. (Ferner ließ Pfarrer Blömer ausrichten, er selbst habe leider keine Zeit, sei aber als ehemaliger BDKJ-Präses natürlich überzeugt, dass alles ganz großartig werden würde – und schönen Tag noch.)

Dank der Mitwirkung von Janine und Victor dreht sich eure Diskussion schon seit einer Stunde um die Frage, ob ihr nun zu Beginn eures Gottesdienstes die Monstranz mit dem Allerheiligsten auf den Altar stellen wollt oder erst am Ende oder am besten überhaupt nicht. Birte meint, das geht ja gar nicht, schon allein wegen ökumenisch und so. Sven aber sagt, das wär ihm komplett egal, das sollten mal die Katholiken unter sich ausmachen. Und die Katholikinnen auch, ergänzt Leni.

Schließlich meldest du dich zu Wort und wendest dich direkt an Janine und Victor.

„Was hat das mit uns zu tun?“, fragst du sie. „Und mit den Leuten, die vielleicht am Ende eines solchen Tages in so einen Gottesdienst kommen?“

„Was das mit uns zu tun hat?“, fragt Victor zurück. „In der Eucharistie ist uns der Erlöser gegenwärtig!“

„Schon klar“, sagst du. „Aber worin zeigt sich das in deinem Leben? Welche Konsequenzen hat es für dich, dass du Christus in dieser Hostie anbetest?“

„Ähm …“, überlegt Victor.

Schließlich gibt er zu: „Ich kann das jetzt nicht so definieren. Ich spüre es aber. Und hey, ich meine – was kann denn an Anbetung schlecht sein?“

Hm. Nichts, eigentlich. Trotzdem behagt dir etwas an der Sache nicht. Denn für deine Spiritualität ist es entscheidend, dass sie etwas mit Lebenswirklichkeit zu tun hat. Zu einem stimmigen Gottesdienst gehört für dich, dass alle Mitfeiernden sich dort aufgehoben fühlen – mit allem, was ihnen Freude macht oder Sorgen, Hoffnung oder Trauer. Und dass aus der Feier der Liturgie konkrete Impulse ausgehen, die eine Relevanz für den Alltag haben.

„Ich hab jedenfalls keinen Bock darauf, mit bunten Stoffbändern um den Altar zu tanzen“, setzt Victor nochmal an. „Oder dauernd meine Gedanken auf irgendwelche Kärtchen zu schreiben.“

„Oder freie Fürbitten zu formulieren“, ergänzt Janine. „Das ist doch meistens total aufgesetzt. Ich find das eh irgendwie voll gekünzelt, was einem alles so als angeblicher Jugendgottesdienst verkauft wird.“

„Ein lateinisches Hochamt wäre natürlich gar nicht gekünzelt“, gibt Birte zurück, „das wär richtig authentisch und so.“

Diesmal lachen alle. Bis auf Annemarie Mälzer. Sie hebt beschwichtigend die Hände und sagt: „Liebe Leute, so kommen wir doch nicht weiter.“

Da hat sie vielleicht Recht, dass ihr so nicht weiter kommt. Jedenfalls nicht effizient ans Ziel. Andererseits ist diese Diskussion hier eine großartige Gelegenheit, über ganz unterschiedliche spirituelle Erfahrungen ins Gespräch zu kommen. Allein das ist schon ein Gewinn für euch. Mag es auch für manche Menschen seltsam anmuten, dass sich über sowas überhaupt streiten lässt – Gottesdienstgestaltung. Gibt es da nicht genügend Vorgaben, an die man sich einfach halten kann? Für die Heilige Messe sowieso, aber für viele andere liturgische Formen eben auch?

Klar, gibt es. Aber über sowas zu streiten, ist ungeheuer wertvoll. Dich auseinanderzusetzen, dich zu fragen, wie du deinen Glauben auf eine Art und Weise ausdrücken kannst, die ehrlich und glaubwürdig für dich und andere ist – all das zeichnet die Spiritualität der Kinder- und Jugendverbände aus.

Es geht letztlich um deine lebendige Beziehung zu Gott. Die kann sich nicht in Zweisamkeit erschöpfen – allein schon, weil Gott selbst ja dreifaltig ist. Deine Beziehung zu Gott schließt deshalb immer auch deine Beziehung zu deinen Mitmenschen mit ein. Wie gehst du mit Anderen um, wie ist dein Verhältnis zu Gottes Schöpfung – all das ist Spiritualität. Unser Beten und Feiern, unser Reden und Handeln als Kinder- und Jugendverbände speisen sich daraus. Ob wir nun gemeinsam den Jugendkreuzweg begehen oder einen Spielplatz renovieren; ob wir unsere Banner bei der Fronleichnamsprozession tragen oder bei einer Demo gegen Rechtsextremismus – all das ist Gottesdienst. Denn was wir im Evangelium hören, kann doch nicht ohne Konsequenzen bleiben. Wenn wir hören, wie Jesus immer wieder zu den Randständigen und Ausgegrenzten geht, wollen wir selber aufstehen und „an die Ränder gehen“, wie Papst Franziskus sagt; dann können wir nicht schweigen, wo Unfriede und Unrecht herrschen, dann wollen wir laut einschreiten, wo die Welt „zum Himmel schreit“.  Die Prophetische Kraft der Jugend hat der Theologe Otmar Fuchs das genannt. Die Theologie der Verbände spricht in diesem Zusammenhang von einer „Radikalität, mit der die Einheit von Wort und Tat eingefordert wird.“ Was das jeweils ganz konkret heißt, muss immer neu bestimmt werden. Du weißt, dass es vor deiner Zeit ganz andere Themen und Formen in deinem Verband gab als heute, und dass es nach dir wieder ganz andere geben wird. In dieser Bereitschaft zur Veränderung und Weiterentwicklung liegt eine besondere Dynamik, die nicht nur die Jugendverbände so einzigartig macht, sondern zugleich die ganze Kirche bereichert.

„Was beten wir eigentlich an?“, fragt Julian, der KSJ’ler plötzlich. „Ich meine – ist nicht die ganze Welt voller falscher Götzen? Wir beten Geräte und Luxusartikel an, wir glotzen von früh bis spät auf unsere Tablets und Smartphones … wäre da nicht der Blick auf die Monstranz ein echter Perspektivwechsel?“

„Moment mal“, fährt Birte dazwischen, „du meinst, wir sollen eucharistische Anbetung als Akt der Konsumkritik verstehen? Als quasi politischen Vorgang?“

„Na, in erster Linie ist es ein Gebet“, meint Julian. „Aber die Entscheidung für etwas ist automatisch auch eine Entscheidung gegen etwas anderes. Wichtig wäre halt, den Zusammenhang deutlich zu machen: dass du, wenn du Jesus in deinem Leben Raum gibst, dich eben frei machst von der Diktatur irgendwelcher tollen blinkenden Geräte, die dich sonst in Beschlag nehmen.“

„Ah, ja“, ruft Leni, „da schlagen wir einen tollen Bogen von der Podiumsdiskussion und dem Markt der Möglichkeiten direkt zum liturgischen Angebot.“

„Gefällt mir“, findet Sven.

„Das mit den bunten Stoffbändern hätte ich aber auch schön gefunden“, murmelt Annemarie.

„Okay, okay“, sagt Janine, „ich verstehe euer Anliegen. Aber wie wollt ihr den Zusammenhang deutlich machen? Mit einer Predigt? Oder sollen wir Handzettel auslegen?“

„Ach“, schmunzelst du plötzlich, „ich bin sicher, da fällt uns noch eine schöne, partizipative, gendergerechte Methode ein.“

Zeitsprung.

Mit leichten Kopfweh wachst du auf. Vielleicht hast du gestern nach dem erfolgreichen Bürgerfest doch ein bisschen zu lange und zu heftig gefeiert. Es war aber auch ein schöner Tag gewesen! Wieder einmal ist es euch gelungen, Kirche und Gesellschaft ein Stückchen voran zu bringen, eure Solidarität mit den Schwächsten zu zeigen, zugleich aus euren spirituellen Quellen zu schöpfen,  einladend auf andere junge Menschen zuzugehen und dabei jede Menge Spaß zu haben. Bestimmt habt ihr wieder einmal viele neue Mitglieder gewonnen. Ihr seid aber auch einfach super. 

Wäre da nicht dieser schale Nachgeschmack, der dich manchmal an solchen Morgenden beschleicht, während dein Schädel noch brummt; diese bohrenden Fragen. Diese Selbstzweifel, die sich anfühlen, als sei all das gar nicht echt, als seist du nicht du, sondern nur eine austauschbare Figur in einer BDKJ-Arbeitshilfe. Als solltest du lediglich beispielhaft herhalten für tausende andere denkbare oder tatsächlich existierende junge Leute im BDKJ und seinen Mitgliedsverbänden. 

Als wär all das, was oben geschildert wurde, ein bisschen zu glatt.

Du weißt ja, dass die Wirklichkeit anders ist. Dass wir allzu oft um uns selber kreisen, anstatt nach draußen zu gehen. Dass wir manchmal im Alltag versinken, anstatt das Außergewöhnliche zu tun; uns zwischen Sitzungen und Pflichtaufgaben manchmal selbst verlieren, unsere Visionen vergessen und … aber warte mal. Gehört das nicht auch dazu? Ist das nicht auch ein Teil von Jugendverbandsarbeit?

Toll. Jetzt hast du dieses Heft bis hierher gelesen, und dann stehen am Schluss nur Fragen. Kein Kreis schließt sich, keine Checkliste fasst nochmal das Wichtigste zusammen, kein echtes Ende ist in Sicht, bloß ein offenes. Aber du kennst das ja eigentlich – im katholischen Kinder- und Jugendverband kriegst du nie vorgefertigten Antworten. Du selbst bist es, der oder die mit den anderen zusammen die Antworten gibt.

Deshalb ist auch die Theologie der Verbände kein Ende, sondern ein Anfang. Ein Termin. Eine Einladung. Vielleicht hat dieses Heft dich inspiriert, über das eine oder andere Thema weiter nachzudenken, zu diskutieren, dich und deinen Verband weiterzuentwickeln. Oder auch nicht. Das alles ist offen, das alles liegt an dir. (Fortsetzung -> bei dir, in deinem Verband, im BDKJ)

Kurz und kompakt

  • Jeder/Jede hat durch Taufe und Firmung eine Sendung. Gemeinsam haben wir den Auftrag die Welt im Sinne Jesu um- und neuzugestalten.
  • Kinder- und Jugendverbände sind Kirche. Wir sind Kirche! In den Kinder- und Jugendverbänden leben wir gemeinschaftlich unseren Glauben, feiern Gottesdienst und setzen uns für andere ein.
  • Kirche und damit Kinder- und Jugendverbände sind Zeichen und Werkzeug für das Reich Gottes. In dem wie wir leben und was wir tun scheint das Reich Gottes auf. Das Reich Gottes, dass so schon jetzt angebrochen ist.
  • Kinder- und Jugendverbände richten ihre Arbeit an den Lebenswelten von Kinder und Jugendlichen aus. Wir wissen darum, wie junge Menschen leben und was ihnen wichtig ist.
  • Wir (Kinder- und Jugendverbände) haben unsere Prinzipien: Glaube, Lebensweltbezug, Partizipation, Selbstorganisation, Demokratie, Freiwilligkeit und Ehrenamtlichkeit. So gestalten wir unsere Kinder- und Jugendverbände.
  •  Kinder- und Jugendverbände sind eigenständig. Wir haben uns eine eigene Ordnung gegeben und bestimmen unsere Themen selbst. Wir sind auf verschiedenen Ebenen vernetzt und Teil einer großen Gemeinschaft, eines Verbandes.
  • Als Kinder- und Jugendverbände sind wir Gemeinde vor Ort! Kinder und Jugendliche finden hier ihren Ort an dem sie zusammenkommen, ihre Themen besprechen, ihren Glauben leben und tun, was ihnen wichtig ist.
  • Kinder- und Jugendverbände sind eingebunden in die Kirche vor Ort. Viele unserer Gruppen sind Teil einer Pfarrei und fühlen sich mit den Christinnen und Christen dort verbunden. Sie unterstützen sich gegenseitig und nehmen gemeinsam den Sozialraum in den Blick.
  • Dienst des Bischofs bzw. des Pfarrers ist es, die Kinder- und Jugendverbände zu unterstützen und zu fördern. Wir sind Teil einer großen Vielfalt in der Kirche und haben mit allen gemeinsam, dass wir uns an Jesus Christus ausrichten. Für diese Einheit in der Vielfalt steht der Bischof in der Diözese, der Pfarrer in der Pfarrei.
  • Frauen und Männer, Priester und Laien übernehmen Geistliche Leitung im Jugendverband. Da sie gewählt und vom Bischof beauftragt sind, stehen sie für die Verbindung von Jugendverband und Kirche. Allerdings ist Geistliche Verbandsleitung Aufgabe aller, sie ist unverzichtbar für die Kinder- und Jugendverbände und macht deutlich, wie wir uns Leitung vorstellen: geschwisterlich und dialogisch.
  • Die Spiritualität in den Kinder- und Jugendverbänden will für alle Kinder und Jugendlichen offen sein. Sie schafft Räume, in denen die Freiheit herrscht, den Glauben zu entdecken. Sie orientiert sich an der Lebenswelt junger Menschen, ist vielfältig und führt zu glaubhaftem Handeln.
  • Spiritualität wird im Jugendverband nicht an Spezialisten ausgelagert. Kinder und Jugendlichen werden ermutigt auf ihre Art und Weise den Glauben auszudrücken, damit es für sie passt.
  • Kinder- und Jugendverbände haben Interesse am Glauben und der Spiritualität anderer. Wir sind offen für den Austausch mit anderen Konfessionen und Religionen. Auch Nichtglaubende oder Zweifelnde haben bei uns ihren Platz.
  • Kinder- und Jugendverbände sind prophetisch. Wir melden uns zu Wort wo Ungerechtigkeit und Unfrieden herrschen und setzen uns besonders für die Belange von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsene ein. Die Themen sind selbst gewählt und vielfältig.
  • Kinder- und Jugendverbände sind auf vielfältige Weise Kirche. Wir erreichen durch unsere unterschiedliche Ausrichtung eine Vielzahl junger Menschen und deren Lebenswelten. Kinder- und Jugendverbände sind jung, dynamisch und wandlungsfähig. Wir bringen die Themen der Jugend in die Kirche als Ganze ein. Davon kann die Kirche profitieren.

 

 

Methoden

Oder: Was ist eigentlich eine Sendung?

Einstieg: Stellt ein Paket in die Mitte und teilt Paketscheine aus. Überlegt zunächst jede und jeder für sich zu den folgenden drei Frageschritten. Sprecht dann in der Gruppe darüber.

1. Schritt: Wer schickt euch? Wohin? Welchen Auftrag habt ihr? Wie sieht das Paket aus, ist es schwer oder sperrig, eilig oder zerbrechlich?

2. Schritt: Wenn ihr die Welt verändern könntet, was wären eure ersten drei Veränderungswünsche an diese Welt, egal wo - bei euch im Verband, im Ort oder global? Welche dieser Wünsche könnt ihr konkret anpacken? Könnt ihr das alleine, oder braucht ihr Unterstützung? Wen könntet ihr dazu gewinnen, und wie

3. Schritt: Fallen euch Beispiele vom Leben Jesu ein, in denen er die Welt verändert?

Überlegt als Gruppe, wo seid ihr Kirche? Konkret bei euch vor Ort?  Und was hat das mit eurem gelebten Glauben zu tun? Dazu könnt Ihr eine  „stumme Diskussion“ führen, das geht so:

Überlegt, welche Ereignisse und Aktivitäten ihr im Jahr veranstaltet (Zeltlager, Fronleichnam, Pfarrfest, Jugendgottesdienst usw.). Schreibt für jedes Ereignis ein Stichwort auf eine Karte.

Beschriftet ein großes Plakat mit einer Skala von null bis zehn. Die Null steht für „Hat mit gelebtem Glauben NICHTS zu tun“, die Zehn steht für „Das ist gelebter Glaube PUR“.  Legt die beschrifteten Karten neben die Skala. Nun sortieren alle die Karten auf die Skala, ohne miteinander zu sprechen, und zwar so lange, bis sich eine gemeinsame „Bewertung“ der gesamten Gruppe ergeben hat bzw. die größten Streitpunkte deutlich wurden.

Danach lasst aus der aus der stummen eine lebhafte Diskussion werden.

„Bau meine Kirche auf!“, das war der Auftrag an den der Hl. Franziskus. Dieser Auftrag gilt auch den Kinder- und Jugendverbänden. Wie soll eure Kirche also aussehen?

Baut ein Kirchenmodell nach Eurem Geschmack, mit dem, was andere nicht mehr brauchen können (Verpackungen, Kartons... etc.), malt es bunt an und schreibt den Namen eures Verbandes in großen Buchstaben darauf. Denn Jugendverbände, ihr seid Kirche!

Diskutiert anhand des Kirchenmodells folgende Fragen:

Auf welchem Fundament steht eure Kirche?
Welche Säulen tragen sie?
Für wen ist sie da, wer geht hier ein und aus?
Was passiert und in welcher Atmosphäre?
Hat Gott einen Platz und wenn ja, wo?
Gibt es offene Türen und Fenster?

Eure Kirche muss übrigens nicht in Stein gemeißelt sein. Sie kann sich verändern...
Es gibt eben immer was zu tun!

Mit diesem Test könnt ihr herausfinden, welche Anknüpfungspunkte es in eurer Pfarrei und drum herum gibt und wie stark ihr mit ihnen verbunden seid. Dabei geht es nicht um eine Wertung, sondern um die Veranschaulichung eures Netzwerkes. Denn euer Kinder- und Jugendverband ist Teil im Netzwerk der Pfarrgemeinde und des Dorfes oder Stadtteils (Fachbegriff: Sozialraum) in dem ihr arbeitet. Durch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Knotenpunkte, wie beispielsweise Jugendgruppe, Pfarrgemeinderat, Kindergarten, Pfarrer, Seniorentreff, zeigt sich das Wirken von Kirche für alle Menschen im Sozialraum.

Checkt euer Umfeld und überlegt mal, welche Einrichtungen und Angebote es für Jugendliche in eurem Sozialraum gibt. Das könnt ihr mit einem Erkundungsgang, der Homepage der Stadt herausfinden, oder ihr fragt mal im Pfarrbüro nach. Denn in Eurer Pfarrgemeinde, im Dorf oder Stadtteil gibt es noch viele weitere Akteure die sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren. Sammelt sie auf einer Liste.

Im nächsten Schritt könnt ihr veranschaulichen, wie stark ihr vernetzt seid. Malt dazu ein Spinnennetz, bei dem jede von der Mitte ausgehende Linie für einen Anknüpfungspunkt steht. Nun könnt ihr die Intensität der Zusammenarbeit eintragen.

Die Skala geht von Null in der Mitte „Hab ich noch nie gehört/keine Zusammenarbeit“ bis fünf am Außenrand „Wir arbeiten regelmäßig und gut zusammen“. Nacheinander tragt ihr die Punktzahl auf der entsprechenden Achse ein. Zum Schluss verbindet ihr die Punkte zu eurem persönlichen Netz.

Oder: Wer sind eigentlich die anderen?

Kennt ihr eure Pfarrei? Kennt ihr den Sozialraum, in dem ihr lebt? Wisst ihr um die Themen von Kindern und Jugendlichen bei euch vor Ort?

Beantwortet nacheinander untenstehende Fragen. Haltet die Antworten auf einem „Lageplan“ fest, um so einen Überblick und eine klare Sicht für eure Jugendverbandsgruppe, die Pfarrei und den Sozialraum und damit die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zu erhalten. Stellt alles dar: Gebäude, Akteure, Themen. Umso genauer euer Plan, umso besser lässt sich anschließend diskutieren. Die folgenden Fragen richten sich an dem Dreischritt: sehen, urteilen, handeln aus.

1. Sehen

Jugendverbandsgruppe:

Aus welchen Personen besteht die Leitung eures Jugendverbands?
Wie viele Leiterinnen und Leiter seid ihr?
Wie viele Mitglieder habt ihr?
Welche Angebote für Kinder und Jugendliche macht ihr?
Wie seid ihr räumlich und finanziell ausgestattet?

Pfarrei

Wer ist Teil des Pastoralteams?
Welche Gremien gibt es in der Pfarrei? Seid ihr darin vertreten?
Wie viele Standorte (Kirchen, Pfarrheime, Jugendeinrichtungen) gibt es?
Welche Gemeinden/Gemeinschaften sind Teil der Pfarrei?
Gibt es weitere Angebote der Kinder- und Jugendarbeit in eurer Pfarrei und wenn ja, wer veranstaltet diese Angebote?

Sozialraum

Wo befinden sich die Orte des öffentlichen Lebens? (Rathaus, Einkaufzentren, Schulen, Kirchen, Jugendeinrichtungen)
Gibt es unterschiedliche Wohngebiete?
Was wisst ihr von den Kindern und Jugendlichen die dort leben?
Gibt es besondere Problemlagen?
Wer macht in Eurem Sozialraum weitere Angebote für Kinder und Jugendliche?

2. Urteilen

Welche Themen werden in der Pfarrei oder im Sozialraum gerade diskutiert?
Wo seht ihr Handlungsbedarf in Eurer Pfarrei oder Sozialraum?
Was wäre euch wichtig, wo könntet ihr einen Beitrag leisten?
Welches eurer Projekte könnte für die Menschen aus der Pfarrei oder im Sozialraum interessant sein? 

3. Handeln

Wer hätte bei euch Freude mitzumachen?
Wen könnt ihr darüberhinaus ansprechen?
Was ist das Ziel eurer Initiative?
Welche Schritte sind nötig und wie sieht der erste Schritt aus?
Wie viel Zeit wollt ihr Euch nehmen?

Diese Methode ist inspiriert durch eine Idee der KjG des Diözesanverbands Köln. Die Anleitung zum Spiel der KjG „Hol die Katze aus dem Sack“ findet ihr in einer Umsetzung des Diözesancaritasverbands Köln hier: Hol die Katze aus dem Sack! (pdf)

Ein Gespräch mit Eurem Bischof steht an. Was noch fehlt ist eine kleine Aufmerksamkeit und ein Einstieg in das Gespräch.  Wie wäre es mit selbst gemachten Wunschkeksen? So könnt ihr, Eure Wünsche und Forderungen geschickt verpackt übergeben. Das Rezept ist recht simpel, ihr braucht nur ein bisschen Fingerspitzengefühl dafür.

Für etwa 30 Kekse braucht ihr:

80  g Mehl

20 g Speisestärke

100 g Puderzucker

100 g weiche Butter

2 Eiweiß

2 EL Öl

1 Prise Salz

Alle Zutaten mit 2 EL kaltem Wasser verrühren, ca. 1 Stunde quellen lassen. In der Zwischenzeit aus Pappe eine Kreis-Schablone (Ø 9 cm) zuschneiden.

Den Backofen auf 160°C, Umluft 140 °C, Gas Stufe 2 vorheizen. Auf Backpapier immer etwa 1 TL Teig gleichmäßig in dem Kreisausschnitt verstreichen.

Plätzchen 6–8 Minuten backen, bis die Teigränder goldgelb sind. Sofort die Plätzchen mit einer Palette vom Backpapier nehmen.

Die Sprüche auf Papier in die Mitte legen, den Teig darüber klappen und wie einen Tortellini zusammenfalten. Zum Abkühlen in ein kleines Gefäß legen, z.B. einen Eierbecher, so behält der Wunschkeks seine Form.

Weil die Kekse wirklich schnell gefaltet werden müssen, immer nur so viele Kekse auf einmal backen, wie ihr Leute zum Falten seid.

In ein kleines Tütchen füllen und überreichen.

Um herauszufinden, wie ihr mit einem spirituellen Angebot genau den Geschmack der Zielgruppe trefft, könnt ihr eine Umfrage machen.

Geht in eure Pfarrei oder in eure Jugendgruppe und fragt z. B.

  • Welche verschiedenen spirituellen Angebote kennst Du?
  • An welchen spirituellen Angeboten hast Du schon teilgenommen?
  • Was hat dir daran gut gefallen? Was überhaupt nicht?
  • Was wünschst du dir – in Bezug auf den Raum, die Musik, die Sprache …?
  • Wie sollte ein Angebot gestaltet sein? Eher ruhig oder lebhaft? Meditativ oder kritisch? Kurz oder lang?
  • An welchem Ort sollte unbedingt mal ein spirituelles Angebot stattfinden?

Schaut euch dann die verschiedenen Antworten an, sortiert sie und leitet daraus ab, worauf ihr bei der Vorbereitung eines spirituellen Angebotes achten müsst. Legt fest, für wen das Angebot sein soll.

Versucht nicht unbedingt, alles auf einmal abzudecken, sondern richtet euch mit verschiedenen Angeboten an verschiedene Zielgruppen, wenn die Interessen der Befragten weit auseinanderlegen. Ihr könnt euch ja auch mit verschiedenen Angeboten an verschiedene Zielgruppen richten. Und auch wenn niemand in der Umfrage bei der Frage nach den Wünschen eine Einladung genannt hat, ist eine schön gestaltete Einladung ein guter erster Schritt in die Vorbereitung.

Fragen für dich oder die Gruppe:

  • Was sind zurzeit deine/eure Themen?
  • Was sind die Themen von Kindern und Jugendlichen von vor Ort?
  • Was wären die Themen Jesu und seiner Jüngerinnen und Jünger bei Euch vor Ort gewesen?
  • Was stört dich und wofür würdest du auf die Straße gehen?

Gestaltet große Protestplakate mit euren Forderungen! Überlegt, wo ihr die Plakate einsetzen könnt und macht dort deutlich, dass ihr euch für die Interessen von Kindern und Jugendlichen bunt und vielfältig einsetzt.

Die Theologie der Verbände nennt eine Menge Gründe, warum Kinder- und Jugendverbände eine Bereicherung für die Kirche sind – man könnte auch sagen: ein Geschenk.

Denn die Jugendverbände sind: prophetisch, politisch, gemeindlich, realistisch, spirituell, einladend, vielfältig, geschlechtergerecht, demokratisch, vorbildhaft, berufen, sinnstiftend, offen, dynamisch, solidarisch, glaubwürdig, befreiend, orientierend,...

Bastelt eine Geschenkbox. Findet zu den Begriffen ein Beispiel aus eurem Verband und legt die aufgeschriebenen Beispiele oder ein Symbol dafür in die Geschenkbox. Wenn ihr kein Beispiel findet, lasst den Begriff einfach raus. Packt die Box ein und schickt sie mit einem Begleitbrief an den Pfarrer, Pfarrgemeinderat, Bischof etc. Oder bringt sie doch einfach selbst vorbei und packt gemeinsam aus.

Visionen

Wir wollen als katholische Kinder- und Jugendverbände der Ort sein, an dem junge Menschen ihre Ressourcen, Talente und Fähigkeiten mit- und füreinander entdecken, entfalten und weiterentwickeln; wo sie sich mit ihren Lebensentwürfen auseinandersetzen, ihre Identität ausbilden und ihre je eigene Sendung in Kirche und Welt entdecken: ihr Apostolat.

Wir wollen Freiheitsräume in Kirche und Gesellschaft sein, wo junge Menschen gleichermaßen Autonomie und Gemeinschaft erfahren, wo sie um Positionen ringen und gemeinsam Standpunkte vertreten.

Wir wollen unsere Angebote milieu- und geschlechtssensibel gestalten, damit wir uns den Glauben authentisch erschließen und ihn als Gemeinschaft leben können. Wir wollen auf allen Ebenen unserer verbandlichen Arbeit die Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausbauen.

Wir wollen junge Menschen befähigen, mit Wort und Tat in ihrem Alltag Zeugnis von ihrer Hoffnung zu geben: Wir wollen sprachfähig sein; vor allem aber durch glaubwürdiges Handeln auch ohne Worte zeigen, was uns wichtig ist.

Wir wollen ausstrahlen und einladend sein, wir wollen materielle und kulturelle Barrieren abbauen und neue Zugangswege zum Glauben erschließen; wir wollen für alle jungen Menschen offen sein, die auf der Suche nach Gott sind. Und wir wollen die Bereitschaft haben, uns von Neuen und Neuem verändern zu lassen.

Wir wollen Armut in ihren Ursachen und Erscheinungsformen erkennen und uns mit ganzer Kraft für die Überwindung ungerechter Strukturen einsetzen. Dabei ist es uns wichtig, dass Arme und Benachteiligte nicht Objekt unseres oder fremden Handelns, sondern selber Handelnde sind oder werden können. Wir wollen an die Ränder gehen, denn das begreifen wir als Chance des Wachstums zum Reich Gottes hin.

Wir wollen uns besonders mit jungen Menschen solidarisieren, die bislang über geringe Teilhabemöglichkeiten verfügen. Sich solidarisieren heißt, dass wir ihre Anliegen zu unseren machen, und dass wir einander auf Augenhöhe begegnen.

Wir wollen selbst arm werden; darunter verstehen wir, dass wir eine neue Haltung der Demut entwickeln und unsere Ressourcen mit großer Achtsamkeit einsetzen.

Wir wollen, dass unsere Verbandsgruppen als authentische Glaubensorte wahrgenommen werden, weil sich hier Kirche in all ihren Grundvollzügen verwirklicht.

Wir wollen, dass Verbandsgruppen nicht nur in der Pfarrei und über sie hinaus wirken, sondern auch Teil der Kirche im Sozialraum sind. In diesem Sinne verstehen wir die Verbandsgruppe als Gemeinde.

Wir wollen unseren Beitrag an den notwendigen Veränderungsprozessen der kirchlichen Strukturen vor Ort leisten. Dabei bringen wir uns ganz ein und sind offen für neue Wege.

Wir wollen, dass Pfarreien Orte der Solidarität sind, in denen sich engagierte Christinnen und Christen jeden Alters gegenseitig wertschätzen und unterstützen.

Wir wollen durch Wertschätzung, Ermutigung und entsprechende Qualifizierung dafür sorgen, dass sich Menschen auf den Weg machen, durch das Engagement in einem Kinder- und Jugendverband ihre eigene Berufung für einen Dienst in der Kirche zu entdecken.

Wir wollen unsere ökumenischen, interreligiösen und internationalen Partnerschaften pflegen und weiterentwickeln. Wir wollen nicht nur mit Worten bekennen, sondern weiterhin und noch mehr durch Taten und Erlebnisse zeigen, dass Vielfalt Bereicherung ist. Und dass der gemeinsame Einsatz für den Frieden, für lokale und globale Gerechtigkeit, für die Bewahrung der Schöpfung an Grenzen nicht Halt machen darf – seien sie politisch oder religiös, ethnisch oder milieuspezifisch: Wir wollen sie überwinden.

Wir wollen die Zeichen der Zeit erkennen und mit der prophetischen Kraft der Jugend zur Lösung der drängenden Fragen unserer Gegenwart beitragen. Wir wollen gemeinsam mit anderen unsere Vision einer dialogischen und geschwisterlichen Kirche verwirklichen, damit die Kirche wieder wachsen kann und Zukunft hat. Wir wollen uns aber auch anfragen lassen und keine Angst davor haben, uns selber zu verändern, weil wir nur so unserem Auftrag und unseren Prinzipien treubleiben können.

Wir wollen nicht uns selber verkündigen, sondern Jesus Christus und seine frohe Botschaft vom Reich Gottes. Wir wollen sichtbar machen, dass dieses Reich in der Welt schon angebrochen ist; dass es überall dort aufscheint, wo Menschen aufeinander zugehen, ungerechte Strukturen überwinden und miteinander ein Stück Leben teilen. Wir wollen nicht nur Hoffnung haben und anderen Hoffnung machen; wir wollen Hoffnung sein für unsere Welt.

Sich den Ideen nähern

Alle Visionen werden kurz vorgestellt. Alle Mitglieder der Gruppe gehen lose durch den Raum. Jemand aus der Gruppenleitung liest jeweils eine Vision vor und sagt eine Zahl. In dieser Gruppengröße finden sich die Mitglieder der Gruppe zusammen und stellen spontan mit einem Standbild die Vision dar.

Visionen mit Leben füllen

Nun haben sich alle schon mal mit den Visionen vertraut gemacht. Jetzt entscheidet jeder und jede, welche Vision sie oder er näher kennen lernen möchte. So finden sich Kleingruppen zusammen, die in einer vorgegebenen Zeit überlegen, welche Ideen sie dazu haben und wie sie die Vision der Großgruppe präsentieren möchten. Das kann ein kurzes Schauspiel, ein Plakat mit Argumenten und Ideen oder vieles anderes sein. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Findet sich zu einer Vision keine Kleingruppe, ist sie damit aus dem Rennen. Oder ihr macht mehrere Durchläufe, wenn sich die Mitglieder gerne mit mehreren Visionen beschäftigen wollen.

Entscheiden: Eine Fahrt im Heissluftballon

Der Gruppenraum wird mit umgedrehten Stühlen, Seilen und Tüchern zu einem Heissluftballon. Die Visionen sind auf (echten oder gemalten) Sandsäcken notiert. Nun geht die Fahrt im Ballon los. Der Ballon verliert plötzlich an Höhe. Die Gruppe muss nun entscheiden, von welchen Sandsäcken und Ideen sie am ehesten verzichten kann. Diese werden über Bord geworfen, bis nur noch ein Sandsack und damit eine Idee übrig bleibt.

Nach einer Idee der DPSG Köln

Kontakte

Martina Pickhardt Sekretariat

Tel. 02 11 / 46 93 - 154
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