Jugendpolitik

Eigenständige und starke Jugendpolitik

In ihrem Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung 2009 die Entwicklung einer eigenständigen und starken Jugendpolitik festgeschrieben. Da bislang noch niemand ein schlüssiges Gesamtkonzept für eine solche Politik vorgelegt hat, wird derzeit in verschiedenen Parteien und Organisationen sowie im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend daran gearbeitet. Als stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) beteiligt sich die BDKJ-Bundesvorsitzende aktiv an diesen Diskussionen.

Wozu eigentlich Jugendpolitik?

Eine Politik im Sinne der Jugend stellt sich immer wieder die Frage: Welche Auswirkungen haben meine Entscheidungen auf die Lebenssituation der Jugendlichen ganz aktuell und welche langfristigen Folgen ergeben sich aus meinem Handeln, mit denen die heranwachsende Generation lange wird leben müssen? Eine eigenständige Jugendpolitik stellt sich nicht nur selbst diese Fragen, sondern tritt auch darüber in einen Dialog mit der Jugend und den Organisationen, die demokratisch legitimiert jugendliche Interessen vertreten. 

Eine gute Jugendpolitik nimmt die ganze Vielfalt jugendlicher Lebenslagen in den Blick. Sie findet sich nicht damit ab, dass immer mehr Jugendliche als „nicht ausbildungsfähig“ gelten und sucht die Verantwortung dafür bei anderen als den Jugendlichen selbst. Sie unterstützt und befähigt diejenigen jungen Menschen, die mit den gesellschaftlichen Anforderungen überfordert sind. Sie sieht aber gleichermaßen die Bedürfnisse derjenigen, die sich anschicken einmal als Elite in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik die Geschicke dieses Landes zu lenken. Eine gute Jugendpolitik gibt ihnen die Freiräume, die sie brauchen, um Verantwortung und Kreativität zu erlernen und schränkt sie nicht durch überbordende Lehrpläne in Schule und Universität über die Maßen ein.

Eine solche Politik traut der Jugend zu, auf Augenhöhe mit ihr darüber zu diskutieren, was richtig und wichtig für „die Jugend“ ist. Sie verabschiedet sich von Vorstellungen, die allzu eng definieren, was für „die Jugend“ wichtig ist. Sie hört auf, in der Jugend eine stromlinienförmig auf die Ansprüche des Arbeitsmarktes hin zu formende Humanressource zu sehen.

Eine gute Jugendpolitik befähigt die Jugend, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie ermöglicht den jungen Menschen, ihren bescheidenen Träumen nach Erfolg im Beruf und Sicherheit im Privatleben näher zu kommen. Sie nimmt ihnen einen Teil des Drucks ab, der auf ihren Schultern lastet. Sie gibt ihnen beides: Freiheit und Sicherheit. Dann wird sie feststellen: Zwischen den Bedürfnissen der jungen Menschen und den Erwartungen der Gesellschaft an diese Jugend gibt es keinen grundlegenden Widerspruch.