Deutsch-ukrainischer Fachkräfteaustausch

Die Ukraine befindet sich, zuletzt angestoßen durch die Majdan-Demonstrationen im Winter 2013/14, in einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruch hin zu mehr Demokratie und Zivilgesellschaft. Dies geschieht unter starker Beteiligung der jungen Generation und nicht ohne innere und äußere Spannungen. Der kriegerische Konflikt im Osten des Landes ist derzeit weitgehend aus unseren Schlagzeilen verschwunden, hält aber noch immer an. Bis heute gibt es allein ca. 1,5 Millionen Binnenflüchtlinge im Land.

Wie leben ukrainische Jugendliche und welche Möglichkeiten sehen sie, ihre Gesellschaft zu gestalten? Diesen Fragen sind Multiplikator/-inn/-en bei einem Fachkräfteaustausch in die Ukraine vom 12. bis 19. Oktober 2016 nachgegangen. Sie wurde veranstaltet in Kooperation mit Renovabis, der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), der BDKJ-Bundesstelle und der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS).

Die Reise führte die Teilnehmenden zunächst in die westukrainische Stadt Lviv, in der insbesondere die ukrainische griechisch-katholische Kirche (UGKK) in der Jugendarbeit aktiv ist. So lernten sie etwa die Arbeit der Jugendkommission der UGKK, das soziale Jugendnetzwerk „Tosya“ sowie die Salesianer kennen, die ein Heim für Waisenkinder und eine Ausbildungswerkstatt betreiben.

Die zweite Station der Reise lag circa drei Autostunden südlich von Lviv: In Ivano-Frankivsk fanden Treffen unter anderem mit der Caritas, dem Umweltbüro der UGKK sowie dem Malteser-Hilfsdienst statt, die Einblicke in ihr soziales und gesellschaftliches Engagement gaben. Bei einem Abstecher in die nahegelegenen Karpaten lernte die Gruppe ein Kinderferiendorf der römisch-katholischen Kirche kennen, an dessen Erholungsprogrammen auch Flüchtlingskinder aus dem Kriegsgebiet in der Ostukraine teilnehmen.

Abschließend besuchte die deutsch-ukrainische Gruppe Kiew, die Hauptstadt des Landes. Hier gewannen sie unter anderem Einblicke in die Jugendarbeit der orthodoxen Kirchen und trafen den kürzlich gegründeten Nationalen Jugendrat der Ukraine (NYCU). Ein Gespräch mit dem Leiter der Caritas Ukraine über die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation des Landes war bewegender Abschluss der Studienreise.

Neben den vielen Eindrücken zu Land und Leute nehmen alle Teilnehmenden vor allem neue Kontakte und Ideen für zukünftige Partnerschaften und Projekte mit. Die Erlebnisse während der Reise haben sie in einem Blog dokumentiert.   

Eindrücke der Studienfahrt

Der Fachkräfteaustausch wurde gefördert von Renovabis und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Rückbegegnung in Köln und Altenberg

Rund um die BDKJ-Hauptversammlung fand vom 10. bis 15. Mai 2017 eine Rückbegegnung mit einer fünfköpfigen Delegation aus der Ukraine statt. Die ukrainischen Teilnehmenden des Austauschs kamen von der Jugendkommission der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche in Lviv und dem Projekt "Children of hope" in Kiew, das unter anderem mit aus der Ostukraine geflüchteten Kindern und Jugendlichen arbeitet.

Auf der BDKJ-Hauptversammlung in Altenberg erhielten die Teilnehmenden des Fachkräfteaustauschs einen Einblick in die Strukturen und die politische Arbeit des BDKJ und kamen mit den Deligierten und Gästen, unter anderem mit Sabine Schößler vom Zentralkommitee der deutschen Katholiken und mit Florian Meisser über die Bildungsarbeit von Misereor, ins Gespräch.

Der Austausch fand darüber hinaus in Köln statt, wo die Fachkräfte an der Eröffnung der Renovabis-Pfingstaktion teilnahmen und die Arbeit der Jugendmigrationsdienste kennenlernten. Ein Abstecher nach Münster verschaffte Einblicke in die jugendpastorale Arbeit vor Ort. Die Teilnehmenden besuchten die Jugendkirche und das nebenan gelegene Schülercafé Lenz. Sie lernten das Konzept der Tage religiöser Orientierung im Bistum Münster und die Angebote der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde (KSHG) kennen.

Diese intensive Woche hat die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit gestärkt und erneut gezeigt, wie fruchtbar und wichtig der enge Austausch zwischen Akteuren der Jugendarbeit in den beiden Ländern ist.

Eindrücke der Rückbegegnung

Der Fachkräfteaustausch wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Katholischen Fonds.