Kategorie: Diözesanverband, Jugendpastoral
Von: Elke Dischinger
18.01.2010

Diözese Rottenburg-Stuttgart denkt Jugendarbeit neu

[jugendforum]³ gestartet

Das erste Experiment einer ganzen Reihe wurde am 17. Januar im oberschwäbischen Obermachtal glücklich abgeschlossen: Auf der Zukunftskonferenz zum [jugendforum]³ erarbeiteten und vereinbarten über 220 TeilnehmerInnen der verschiedenen Ebenen – Ehrenamtliche und Hauptberufliche der Gemeinde-, Dekanats- und Diözesanebene – gemeinsam über 50 Experimente für die kirchliche Jugendarbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die viertägige Veranstaltung war die erste von insgesamt drei Phasen, die dazu dienen, die Jugendpastoral weiterzuentwickeln. Hintergrund sind die gesellschaftlichen Herausforderungen wie etwa der demographische Wandel, ein verändertes Bildungssystem von Ganztagesschulen und achtjährigem Gymnasium und die teilweise großen Distanz zu einigen Jugendmilieus.

Die Einzigartigkeit des [jugendforum]³ machen der Praxisbezug – vom Experiment zum Konzept, statt umgekehrt – und das Miteinander der verschiedenen jugendpastoralen Akteure aus. „Das Expertenwissen eines 20-jährige Ehrenamtlichen aus dem Jugendverband ist in diesem [jugendforum]³-Prozess genauso wichtig wie das einer Pastoralreferentin mit 10-jähriger Berufserfahrung oder das eines Hauptabteilungsleiters der Diözese“, erklärt Wolfgang Kessler, Diözesanjugendseelsorger BDKJ/BJA. Experimente dürfen hierbei auch scheitern, denn auch daraus lassen sich Erkenntnisse gewinnen, die der Weiterentwicklung kirchlicher Jugendarbeit dienen.

Die Experimente spiegeln die Vielfalt jugendpastoraler Formen wider: Von Flash-Mob-Aktionen und religiösen Videoclips über Lebensraumtausch verschiedener Jugendmilieus und Schülerpatenprojekt an Sonder- und Förderschulen bis hin zum spirituell-erlebnispädagogischen Abenteuer-Wochenende oder der Initiierung einer eigenen Jugendkirche reicht die Palette an Ideen, die es in der nun anschließenden 9-monatigen Experimentierphase gilt auszuprobieren. Die TagungsteilnehmerInnen werden damit vor Ort zu Botschaftern für ihre Experimente und suchen sich dort weitere Partner und Förderer, die das Experiment mittragen. Die Diözese begleitet die Experimentiergruppen kontinuierlich mit regionalen Kontaktpersonen, die bei möglichen Konflikten, Fragen und Problemen weiterhelfen und unterstützen. Weihbischof Thomas Maria Renz verwies in diesem Zusammenhang auf „Gottes Geist, auf den alle Beteiligten vertrauen könnten“. Und Ulrich Müllerschön, Diözesanleiter BDKJ/BJA ermunterte mit den Worten: „Wenn wir die Kirche nicht verändern – wer dann?“.

Das gemeinsame Arbeiten in einem die Ebenen übergreifenden Netzwerk setzt sich auch virtuell fort. In verschiedenen Social-web-Communitys wie Facebook, Twitter, StudiVz, SchülerVz und formspring.me besitzt das [jugendforum]³ je eine eigene Seite, die den gesamten Prozess-Verlauf zeitnah dokumentiert. Im Idealfall entstehen dort zu jedem einzelnen der rund 50 Experimente eigene Profilseiten, die sich untereinander verlinken oder mit anderen Social-Communitys vernetzen. So erhält jeder Internetuser abgesehen von der Information über den aktuellen Verlauf der Experimente auch die Möglichkeit sich über die Kommentarfunktion der Experiment-Gruppe Mut zuzusprechen, eigene Ideen einzubringen sowie Lob und Tadel loszuwerden.

Letztlich werden die aus den Experimenten gewonnenen ersten Erkenntnisse am 13. November 2010 mit möglichst allen an der Zukunftskonferenz und an den Experimenten Beteiligten und mit Bischof Dr. Gebhard Fürst gemeinsam bewertet. „Das wird auch der Zeitpunkt sein, an dem wir schauen müssen, was für eine zukunftsorientierte Jugendarbeit notwendig ist. Dazu gehört wahrscheinlich auch die Entscheidung, die Jugendarbeit entweder mit mehr Personal oder weniger Aufgaben anzugehen“, meint Ulrich Müllerschön, Diözesanleiter BDKJ/BJA. Aus den dann benannten Handlungsempfehlungen und Folgerungen entstehen konkrete Umsetzungsschritte, welche die kirchliche Jugendarbeit von Grund auf verändern werden.