Wir müssen reden

BDKJ mahnt offenen, gemeinsamen Dialog zu überfälligen Fragen in der Kirche an, um Kinder zu schützen und um die Zukunft der Kirche zu sichern.
  • Pressemeldungen
  • News
  • Bundesvorstand
  • Dirk Tänzler
  • Kirche & Jugend
  • Kirchenpolitik
  • Gremien
  • Beschlüsse
  • Hauptversammlung
  • Startseite

Altenberg (Odenthal), 9. Mai. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) setzt sich für einen offenen Dialog über drängende Fragen in der katholischen Kirche ein. In dem heute gefassten Beschluss „Glaubwürdige Kirche für junge Menschen“ mahnt die BDKJ-Hauptversammlung an, überfällige Fragen gemeinsam mit Bischöfen und Laien zu besprechen.

Mut zur Wahrheit, Mut zum Zuhören
Als Anwalt junger Menschen sei es die Aufgabe und der unbedingte Wille des BDKJ, Rahmenbedingungen zu schaffen, um potentielle neue Opfer sexuellen Missbrauchs in Kirche zu verhindern. Dazu gehöre neben lückenloser Aufklärung und professioneller Prävention vor allem, „die tiefer greifenden Ursachen sexualisierter Gewalt in der Kirche zu benennen, zu analysieren und zu verändern“, so BDKJ-Bundesvorsitzender Dirk Tänzler am Sonntag in Altenberg.

Viel zu lange habe die Kirche dabei die Lebenswirklichkeit junger Menschen nicht Ernst genug genommen. „In einem kirchlichen Gesamt-Klima der Scheu, konnten wir in der vergangenen Zeit aber selbst nicht genug Mut aufbringen, nötige Themen anzusprechen“, so Tänzler. Das dafür nötige Klima gebe es jetzt. In einer solch tiefen Krise müsse die Kirche die Anliegen junger Menschen, ihrer Jugend, hören. „Im Sinne der uns anvertrauten Menschen setzen wir uns dafür ein, tabulos und angstfrei Anfragen benennen zu können. Wir brauchen endlich einen offenen, differenzierten, konstruktiven und strukturierten Dialog. Kirche muss Kritik und Widerspruch – auch intern - aushalten“, so Tänzler.

Dazu zählen nach Meinung der katholischen Jugendverbände der Umgang mit Macht in Kirche, Fragen nach Sexualität und menschennaher Sexualmoral, Weiterentwicklung der die Priesterausbildung und des Priesterbildes, Miteinander von Priestern und Laien, Nutzung und Förderung von demokratischen und synodalen Strukturen, Stärkung von Frauen in der Kirche, Überprüfung der Zugangsvoraussetzung zu Weiheämtern. Es gehe aber auch um die großen Diskrepanzen zwischen der Lehre der Kirche und dem Leben der meisten jungen Menschen in Deutschland in einigen zentralen Dimensionen des Lebens. „Wir haben nicht auf alles Antworten. Uns geht es um eine Auseinandersetzung. Verantwortliche in Kirche, Bischöfe und Laien, müssen sich gemeinsam den Anfragen stellen und sie bearbeiten.“

Bischof Bode macht Jugend Mut, sich einzumischen
Unterstützung bekommt der BDKJ von einem Bischof. Der langjährige Jugendbischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück) hält es angesichts der aktuellen Lage für notwendig, dass die Bischöfe gemeinsam über „Macht und Autorität in der Kirche“ nachdenken. „Macht darf in der Kirche nur als Dienst verstanden werden. Autorität darf auch in der Kirche nicht Menschen klein halten, sondern muss sie wachsen lassen“, sagte Bode vor rund den 100 Delegierten der BDKJ-Hauptversammlung. Er ermutigte den BDKJ, sich weiter konstruktiv kritisch zu äußern. „Wenn sich die katholischen Jugendverbände nicht mehr mit ihren Erfahrungen einbringen dürfen, weiß ich nicht, mit wem die Bischöfe darüber sprechen wollen. Gerade Betroffene: Jugendliche und Verantwortliche in der Jugendarbeit sollten in den Dialog mit einbezogen sein“, sagt Bode unter großem Applaus der Delegierten. Bischof Bode äußerte seine Dankbarkeit darüber, dass der BDKJ das Thema „in Sorge und aus Liebe zur Kirche“ so engagiert behandele.

Die katholische Kirche befinde sich in einer tiefen Krise und habe deutlich an Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren – auch bei jungen Menschen. „Das ist ein großes Risiko für die Zukunft unserer Kirche“, so Tänzler. „Kinder und Jugendliche müssen wieder eine Heimat in Kirche finden, damit diese ein Ort der Nachfolge Christi sein kann und an Glaubwürdigkeit und Vertrauen wiedergewinnt. Trotz unserer Wut und unserer Zweifel bleiben wir unserer Kirche treu und gestalten sie weiter aktiv mit. Aus Sorge und Liebe zu ihr rufen wir zum Handeln auf, damit Kirche auch in Zukunft ihren Auftrag erfüllen kann.“

Als höchstes Beschluss fassendes Gremium trifft die BDKJ-Hauptversammlung ein Mal jährlich grundlegende Entscheidungen für die Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen in Politik, Kirche und Gesellschaft. Dabei vertreten mehr als 100 Delegierte der BDKJ-Mitglieds- und Diözesanverbände aus ganz Deutschland die rund 650.000 Mitglieder. Mehr Informationen gibt es im Blog unter www.bdkjblog.de 

> <media 946>Beschluss "Glaubwürdige Kirche für junge Menschen" (PDF)</media>

  • <media 950>Pressemitteilung (PDF)</media>

Pressekontakt: Michael Kreuzfelder, mobil: 0178 7956099

Diesen Artikel teilen auf