„Signalfeuer im Kampf gegen Jugendarmut“

Jugendkrawalle: Auch in Deutschland gibt es den dazu nötigen sozialen Sprengstoff.
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Düsseldorf, 10. August. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sieht auch in Deutschland genügend sozialen Sprengstoff für Krawalle junger Menschen. „Bis zu zwei Millionen Jugendliche und junge Erwachsene sind in Deutschland arm, arbeitslos und perspektivlos“, warnt BDKJ-Bundespräses Pfarrer Simon Rapp. „Die Krawalle in England müssen Signalfeuer im Kampf gegen ihre Armut sein.“

Die Gewalt in England würde auch aus Frust und Resignation einer abgehängten Generation resultieren. „Wir wollen keine Angst schüren, denn in Deutschland gibt es derzeit keine sichtbar hohe Zahl gewaltbereiter Jugendlicher. Wenn das so bleiben soll, müssen wir jetzt etwas tun, nicht erst wenn es zu spät ist.“ Die jüngst vom Statistischen Bundesamt veröffentlichen Zahlen belegen die Mahnung: 2,1 Millionen Unter-18-Jährige sind in Deutschland von Armut bedroht. Betrachtet man die 15- bis 24-Jährigen, sind sie mit knapp 25 Prozent die Gruppe mit der höchsten Armutsrisikoquote. „Fakt ist, dass Jugendliche im reichen Deutschland das höchste Armutsrisiko tragen“, so Rapp.

Jugendarmut müsse überhaupt erst einmal wahrgenommen werden. „Während es bei Kinderarmut eine steigende gesellschaftliche Aufmerksamkeit gibt, wird Jugendarmut kaum registriert“, so Rapp, „sie wird regelrecht verschwiegen, die strukturellen Ursachen verschleiert.“ Bei Jugendarmut handele es sich um ein eigenständiges Phänomen in einer wichtigen Lebensphase mit entscheidenden Umbrüchen.

Daher fordern die katholischen Jugendverbände von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mehr Einsatz im Kampf gegen Jugendarmut und mehr Investition in Prävention. „Jugendliche müssen von den Sparbemühungen der Bundesregierung ausgeschlossen bleiben. Die junge Generation muss morgen schon für die heutigen Staatsschulden bezahlen. Die Gesellschaft darf ihr nicht noch mehr aufbürden.“ Daher fordert der BDKJ die Einführung eines Kinder- und Jugendgrundeinkommens als ersten Schritt hin zu einem Grundeinkommen für alle Bevölkerungsgruppen. Derweil setzt sich der BDKJ sich für armutsfeste Bedarfssätze, für Kostenfreiheit in allen Bildungsbereichen und für die Umsetzung eines Rechts auf Ausbildung ein.

Mehr Hintergründe, Zahlen und Forderungen zu Jugendarmut beinhaltet der BDKJ-Beschluss „Armut hat ein junges Gesicht“. Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden und -organisationen mit rund 660.000 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen in Politik, Kirche und Gesellschaft.

Pressekontakt: Michael Kreuzfelder, Telefon 0211 46 93 155

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