Münster: Ehrenamt stärker fördern

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Haltern/Münster (08.04.14). Kritische Anfragen an die Politik haben gestern Abend in Haltern rund 40 Verantwortliche aus den katholischen Jugendverbänden im Bistum Münster gestellt. Kontrovers wurde dabei unter anderem die Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes diskutiert. Das Gesetz nimmt Jugendgruppen in die Pflicht, für ihre Leiterinnen und Leiter Erweiterte Führungszeugnisse einzusehen, um so ausschließen zu können, dass einschlägig Vorbestrafte in ihren Reihen aktiv sind. Das Problem dabei: Es gibt keine vom Gesetzgeber geregelten Ausführungsbestimmungen, sondern nur Empfehlungen aus Politik und Spitzenverbänden.

Einig waren sich die Politikerin und die Politiker auf dem Podium und die Gäste im Saal, dass in der Jugendarbeit alles dafür getan werden muss, sexuelle Gewalt gar nicht erst entstehen zu lassen. „Es ist wichtig, die Augen aufzumachen und nicht wegzuschauen“, formulierte etwa der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Schemmer (Reken). Wichtiger als das Einsehen von Führungszeugnissen sei jedoch die Einführung von flächendeckenden Präventionsprogrammen, meinte Josefine Paul (Münster) von der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Der Kevelaerer SPD-Ratsherr Dominik Pichler gab zu bedenken, dass Erweiterte Führungszeugnisse nur die Möglichkeit böten, rechtskräftig Verurteilte zu identifizieren und aus der Jugendarbeit herauszuhalten. Weil es in diesem Bereich aber ein großes Dunkelfeld gebe, könnten die Zeugnisse keine absolute Sicherheit geben. Von einem „doppelten Generalverdacht“ gegenüber den Jugendgruppenleiterinnen und Jugendgruppenleitern sowie den Jugendverbänden als solche sprach der münstersche Piraten-Ratsherr Pascal Powroznik.

Neben dem Kinderschutz ging es für die Diskutantin und die Diskutanten an diesem Abend auch um die Frage, welche Voraussetzungen Jugendgruppen erfüllen müssen, um für ihre Projekte und Maßnahmen öffentliche Fördergelder erhalten zu können. Schnell wurde seitens der Verantwortlichen aus den Verbänden klar: Die bürokratischen Anforderungen sind zu hoch. Im Zweifel verzichten ehrenamtliche Verantwortliche lieber auf eine ihnen per Gesetz zustehende Förderung, als in einem langwierigen Prozess Antragstexte zu schreiben, Verwendungsnachweise zusammenzustellen und Dutzende Einkaufsquittungen zu sammeln, aufzuarbeiten und einzureichen. Ein Nachweis, was mit öffentlichen Geldern geschieht, müsse sein, befanden die Politikerin und die Politiker. Aber man könne durchaus darüber nachdenken, wie man Ehrenamtliche von diesen bürokratischen Tätigkeiten entlasten könne. Durch mehr pauschalierte Nachweise etwa oder durch kommunale Anlaufstellen, die Jugendgruppenleiterinnen und Jugendgruppenleiter beim Antragswesen unterstützen könnten.

Durch die Einführung der Ganztagsschule und der verkürzten Schullaufbahn an Gymnasien (G8) sehen sich die Jugendverbände vor große Herausforderungen gestellt. Ihre Vertreterinnen und Vertreter monierten gegenüber der Politikerin und den Politikern, dass Jugendliche inzwischen einen so großen Teil des Tages in der Schule verbringen würden, dass für ehrenamtliches Engagement kaum noch Zeit bliebe.

Einig waren sich die Politikerin und die Politiker, ob auf Landes- oder kommunaler Ebene tätig, dass das Ehrenamt grundsätzlich stärker gefördert werden müsse. Anerkennend stellte Markus Diekhoff vom FDP-Kreisverband Warendorf fest, dass es ein solch großes Angebot an Ehrenamtlichkeit „von Menschen für Menschen“ wie in Deutschland nirgendwo sonst in Europa gebe.

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