„Lernen Sie zuhören, Herr Kardinal Müller!“

Katholische Jugend formuliert Erwartungen an Kardinal Müller
  • Mainz

Mainz.Mit einem Brief hat der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Mainz dem neuen Kardinal Gerhard Ludwig Müller zu seiner Kardinalsernennung gratuliert und ihm Erwartungen und Kritik mit auf den Weg gegeben. Am Rande eines Empfangs bei seinem Besuch in Mainz übergaben Vertreterinnen und Vertreter des Dachverbands der katholischen Jugendverbände dem aus Finthen stammenden Kardinal das Schreiben.

„Wir erkennen seine theologischen Arbeiten, sein entschiedenes Eintreten gegen Rechtsextremismus und die Pius-Bruderschaft an, aber die Bezeichnung „parasitäre Existenzformen“, die Kardinal Müller, damals noch als Bischof von Regensburg für katholische Reformgruppen wählte, stößt uns und viele engagierte Katholikinnen und Katholiken vor den Kopf.“, erklärt BDKJ-Präses Pfarrer Mathias Berger.

Ina May, aus dem Vorstand des BDKJ Mainz, ergänzt: „Zur Zeit scheint es uns, als sei Kardinal Müller angetreten, um die Türen, die Papst Franziskus aufstößt, möglichst unmittelbar mit Verweis auf die Eindeutigkeit der katholischen Lehre wieder zuzuschlagen. Papst Franziskus lädt zum Dialog, Kardinal Müller erklärt ihn für beendet – vor allem bei der gerade aufkommenden Diskussion über die katholische Sexualmoral und den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen.“

So habe die vom Vatikan initiierte Umfrage deutlich gezeigt, dass Katholikinnen und Katholiken jeden Alters existentielle Probleme mit der Haltung der katholischen Kirche zu wiederverheirateten Geschiedenen, nichtehelicher Sexualität, Empfängnisverhütung und Homosexualität haben, schrieb der BDKJ Mainz an den Finther Kardinal.

„Aus unserer Sicht reicht es daher nicht, die alte Lehre besser erklärt zu bekommen, sondern in einigen Fällen geht es um die Überprüfung der Lehre selbst, um einen neuen Ausgleich zwischen Glauben und Leben.“, erläutert Mathias Berger die Forderung der katholischen Jugendverbände.

Er werde als Präfekt der Kongregation für Glaubenslehre ohne Zweifel die Kirche richtungsweisend mitprägen, schrieb der BDKJ Kardinal Müller. „Daher erwarten wir von ihm, dass er zu allererst zuhört, nicht hinter allem, was junge Menschen ihrer Kirche zu sagen haben, einen zerstörerischen Zeitgeist sieht und nicht vom hohem Ross vermeintlicher Gewissheiten aus urteilt. Nur so kann die Kirche bei jungen Menschen wieder Glaubwürdigkeit gewinnen.“, fasst Ina May die Erwartungen an Kardinal Müller zusammen.

Für Rückfragen stehen Ihnen die Mitglieder des BDKJ Diözesanvorstands per E-Mail an vorstandbdkj-mainzde gerne zur Verfügung. Telefonische Anfragen richten Sie bitte an Constanze Coridaß, Mitglied des Diözesanvorstands, Tel: 0176 / 12539029.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Diözese Mainz ist der Dachverband von neun katholischen Jugendverbänden mit mehr als 9.000 Kindern, Jugendlichen und Jungen Erwachsenen. Getreu dem Motto „Katholisch. Politisch. Aktiv.“ vertritt er die Interessen seiner Mitglieder in Kirche, Politik und Gesellschaft.

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