Lernen aus dem Konzil

Katholische Jugend erinnert an die Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils.
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Düsseldorf, 9. Oktober. „Die Bischöfe des Konzils haben die Kirchenfenster weit geöffnet und mehr Welt hereingelassen. Gleichzeitig haben sie die Kirche weiter in die Welt getragen“, so Dirk Tänzler, Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). In einer Erklärung anlässlich des bevorstehenden 50. Jahrestags der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962 betont Tänzler: „Diese Art, Beschlüsse zu fassen und deren Aussagen müssen vermittelt, vergewissert und fortentwickelt werden“. Die Erklärung im Wortlaut:

„Selbst wenn Jugendliche die Konzils-Zeit nur aus Erzählungen kennen, sind die Beschlüsse der damaligen Versammlung und ihre Theologie für die katholischen Jugendverbände immer noch richtungsweisend. Das gilt besonders für das Menschenbild und das neu entworfene Verhältnis der Kirche zur Welt und den Menschen. Die katholischen Jugendverbände leben dies nach wie vor. In Taten, im Einsatz für ein christliches Miteinander und auch in Veröffentlichungen zum Verständnis einer jungen Kirche ist dies sichtbar.

Zukunftsweisend bis heute

Die Texte des Konzils prägen grundlegend, wie wir Kirche leben. Und sie öffnen Wege, die Botschaft Jesu in die Gesellschaft zu tragen. Die Welt, in der Kinder und Jugendliche heute aufwachsen, ist plural und differenziert sich in verschiedene Lebenswelten. Die Teilnehmenden des Konzils haben unserer Kirche gezeigt, dass das Evangelium immer vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen verkündet werden muss. Kirche und Welt als Einheit: Insbesondere die Konstitution ‚Gaudium et spes‘ entwirft für unsere Kirche eine pastorale Grundhaltung, die bis heute zukunftsweisend ist.

Ein weiteres Konzilsergebnis liegt der katholischen Jugend besonders am Herzen: Die Überwindung eines Kirchenbildes, das nur von der Autorität des Klerus her denkt, hin zu einer Kirche, in der jede und jeder Gläubige durch Taufe und Firmung Verantwortung trägt, ist eine Errungenschaft, die ausgebaut werden muss. Hier gibt es vielfach noch starken Nachholbedarf, damit unsere Kirche als Volk Gottes, in dem Frauen und Männer, Priester und Laien vertrauensvoll zusammenwirken, sichtbar wird. Dieses gemeinsame Priestertum aller Gläubigen betont der BDKJ auch in seinem Grundlagen-Text ,Freiheit der Kinder Gottes‘.

Den Blick nach vorne richten

Wir dürfen keinen einzigen Schritt hinter die Aussagen des Konzils zurück. Die Anerkennung der Religionsfreiheit, die positive Neuausrichtung des Verhältnisses der katholischen Kirche zu anderen Religionen, die Pflicht zur Solidarität mit allen Menschen, egal welcher Religion und Herkunft, das alles sind wichtige Errungenschaften, die nicht wieder rückentwickelt werden dürfen. Die Kirche muss eine Kirche bleiben, die die Menschen annimmt und ihnen dient. Es ist vollkommen unverständlich, dass manche behaupten, die Konzilstexte seien hier falsch interpretiert worden. Die katholischen Jugendverbände wünschen sich eine konsequentere Umsetzung der Konzilsreformen und nehmen besorgt rückwärtsgerichtete Tendenzen in unserer Kirche wahr.

Besonders deutlich wird dies für viele junge Menschen am Beispiel der Diskussion um die Liturgiereform und die Wiedereinführung des alten Messritus. Wir respektieren den Wunsch einiger, die Eucharistie nach dem früheren Ritus zu feiern. Wir betonen aber, dass das damit einhergehende hierarchische Kirchenbild nicht dem Willen des Konzils entspricht, sich der Welt zu öffnen. Insbesondere die damit einhergehende Ungleichbehandlung von Frauen und die Höherstellung von Priestern gegenüber Laien sind den meisten Kindern und Jugendlichen unverständlich.

Vermittlung der Konzilsergebnisse 

Wir freuen uns über die zahlreichen Aktivitäten der katholischen Jugendverbände, die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils jungen Menschen nahe zu bringen. So veranstaltet beispielsweise die KLJB Bayern am 11. Oktober in ganz Bayern Aktionen unter dem Motto ,Fenster auf!‘. Sie erinnern an die historische Bedeutung des Konzils für die Öffnung der Kirche und die Jugendarbeit. Der BDKJ in Bayern lädt am 26. November Haupt- und Ehrenamtliche aus der Jugendverbandsarbeit zu einer Fachtagung zum Konzil nach Nürnberg ein.

In der Konzilsaula stimmten nur die Bischöfe über die Beschlüsse ab. Aber bereits 1975 bei der Synode der deutschen Bistümer in Würzburg brachten gewählte und stimmberechtigte Laien ihre Erfahrungen ein, als es darum ging, das Anliegen des Konzils speziell in Deutschland zu verwirklichen. Die gute und fruchtbringende Erfahrung dieses gelebten Miteinanders und das Mehr an Demokratie, ist auch für die heutigen Diskussionen und Herausforderungen vorbildhaft. Diese Art, Beschlüsse zu fassen und deren Aussagen müssen vermittelt, vergewissert und fortentwickelt werden. Für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unseren Verbänden ist dies längst selbstverständlich.“

Dirk Tänzler, BDKJ-Bundesvorsitzender für den BDKJ-Bundesvorstand

Der BDKJ ist Dachverband von 16 katholischen Jugendverbänden und -organisationen mit rund 660.000 Mitgliedern. Mehr Infos unter www.bdkj.de.

Pressekontakt:Michael Kreuzfelder • mkreuzfelder@bdkj.de • fon 0211 . 46 93-155

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