Jubiläumskönige starten kaiserlich Präsente, Papst und Politik: 2.000 Sternsinger feiern in Speyer die Eröffnung der 50. Aktion Dreikönigssingen

So viele gekrönte Häupter auf ein Mal hat wohl selbst der altehrwürdige Kaiserdom noch nicht gesehen. 2.000 Könige bereiteten in Speyer der Aktion Dreikönigsingen einen kaiserlichen Start. Damit ist die Jubiläumsaktion der Sternsinger eröffnet. Zum

„ Ihr seid ein Schatz für die Kirche und die Welt“, rief Diözesanadministrator Weihbischof Otto Georgens den Sternsingern bei der bundesweiten Eröffnung vor dem Kaiserdom zu, „wir wissen euch zu schätzen, macht weiter so.“ Monsignore Winfried Pilz, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, das die Aktion gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) verantwortet, nannte sie „eine fantastische Bewegung.“ Am Tagesende kam noch eine himmlische Botschaft von höchster Stelle: Weihbischof Georgens verkündete im Dom den offiziellen Segen Papst Benedikts für die Aktion. Die päpstliche Segens- und Grußbotschaft quittierten die Jungen und Mädchen mit begeistertem Applaus.

Doch auch Ältere fühlten sich angesprochen. Der 72-jährige Helmut Groß zum Beispiel hat die erste Sternsingeraktion 1959 mitgemacht - und begleitet im Jubiläumsjahr 2008 als Rentner immer noch Gruppen. „Das Wesentliche ist geblieben“, resümiert der Mann, „wir bringen Gottes Segen in die Häuser.“ Darum geht es den beiden Trägern der Aktion Dreikönigssingen. „Die Sternsinger sind Geh-Hin-Kirche: Wir gehen zu allen Leuten und bringen ihnen eine Botschaft von Gott. Das ist heute alles andere als selbstverständlich“, so BDKJ-Bundespräses Pfarrer Andreas Mauritz.

Doch Kaspar, Melchior und Balthasar bringen nicht nur Segen. Als weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder haben die Sternsinger in 50 Jahren mit 612 Millionen Euro Kindern in Not auf der ganzen Welt geholfen – Mädchen und Jungen in über 51.000 Projekten. Wofür sie sammeln, erlebten die kleinen Könige in Speyer hautnah. Die neunjährige Melanie aus St. Ingbert etwa mühte sich mit einem Hammer ab. Krachend bearbeitete sie damit eine Wellblechdose, versucht sie platt zu hauen. „Das ist echt schwer! Daraus ein Haus zu bauen, geschweige denn darin leben, nein das sollte keiner.“ Melanie besuchte einen von sieben Workshops, in denen die Sternsinger die Lebensbedingungen von Kindern auf der ganzen Welt kennen lernten. Wellblechhütten basteln, Wasser filtern, Bildungsmauer aufstellen. „Ich wünsche mir einfach Frieden“, schrieb die achtjährige Sandra aus Homburg auf einen Wunsch-Luftballon, und fügt hinzu: „Ich finde doof, dass so viele Kinder im Krieg sterben müssen.“

In weltweit mehr als 40 Kriegen werden derzeit 300.000 Kindersoldaten eingesetzt, Millionen Kinder haben kein zu Hause, können nicht zur Schule gehen oder erkranken an schlechtem Wasser. „Mit ihrem Einsatz bringen die Sternsinger Licht und Hoffung in die ganze Welt“, so Msgr. Winfried Pilz. Deswegen stellten Sternsinger in Speyer gemeinsame Forderungen an Verantwortliche in Politik und Gesellschaft auf. Die Sternsinger wollen, dass Kinder auf der ganzen Welt zur Schule gehen, ein Zuhause haben, in Frieden leben und sauberes Wasser trinken können. Nichts weniger als die Forderung nach Freiheit, Frieden, nach Gerechtigkeit und genügend Stoff für eine Demonstration. Und so zogen die 2.000 kleinen Könige mit ihren Transparenten und Bannern, mit Kronen und Sternen, mit selbst gebastelten Kamelen und dem großen Jubiläumsstern durch die Speyerer Straßen. Ein Demonstrationszug von Kindern für Kinder auf der ganzen Welt.

Auf deren Träume ging Weihbischof Otto Georgens in der Schlussfeier ein. Fast jeder Fernsehsender schüre die Hoffnung der Kids auf Glamour und Berühmtheit, auf ein Leben als Star. „Wie lange der Ruhm anhält, ist eine andere Frage“, so Georgens. Und doch könne ein Mensch ein wirklicher Stern sein, „jemand, der unserem Leben Glanz und Strahlkraft verleiht durch seine Freundschaft und Liebe“. Und er schloss seine Ansprache mit dem Appell: „Haltet euren Stern hoch, den Stern, der den Namen Jesus trägt. Bringt das Licht dieses Sterns zu den Menschen.“

Ein Aufruf der bei vielen der 500.000 Kinder und Jugendliche in der ganzen Republik ankommen wird. Denn neben kleinen Königen aus dem gastgebenden Bistum kamen Sternsingerdelegationen aus 13 deutschen Diözesen zur Eröffnung der Jubiläumsaktion nach Speyer. „So viele Sternsinger habe ich noch nie gesehen, da macht das Laufen bald doppelt Spaߓ, sagte etwa die siebenjährige Franka aus Hamburg. Sie fährt noch heute zurück, denn morgen geht es in der Hansestadt mit dem Sternsingen los. Nicht nur für Franka stand am Ende eines fest: „Das war ein echtes Fest“. Und auf ein Plakat mit dem Titel „Mein schönstes Erlebnis bei den Sternsingern“ schrieben einige kleine Könige: Die Eröffnung der 50. Aktion in Speyer.

Diese bildete den Auftakt für ein buntes, bundesweites Jubiläumsprogramm. Am 4. Januar bringen die Sternsinger den Segen ins Bundeskanzleramt, am 6. ins Schloss Bellevue zu Bundespräsident Horst Köhler. Am 12. Januar finden dann in ganz Deutschland Dankfeiern in den Diözesen statt. Der letzte Termin im Januar ist dann noch eine Premiere. Am 15. sind die Sternsinger erstmals zu Gast im Europäischen Parlament, Präsident Pöttering empfängt Kaspar, Melchior und Balthasar in Straßburg, um den Segen zu empfangen.

Die politischen Forderungen der Sternsinger, Bilder und O-Töne gibt es auf www.sternsinger.de

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