Ein großer Schritt in die richtige RichtungBDKJ und „aktion kaserne“ begrüßen Weiterentwicklung der „Inneren Führung“. Jetzt kommt es auf Umsetzung an.

Als großen Schritt in die richtige Richtung bewerten der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die „aktion kaserne“ den Entschluss des Verteidigungsministers, die Führungsphilosophie der Bundeswehr weiterzuentwickeln. Das grundlegende Doku

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die „aktion kaserne“ haben sich im Interesse der jungen Wehrdienstleistenden seit der Gründung der Bundeswehr an der Entwicklung der Konzeption der „Inneren Führung“ und ihres „Leitbilds des Staatsbürgers in Uniform“ beteiligt. Sie begrüßen die Weiterentwicklung, weil dadurch deutlich wird, dass diese Konzeption  nach wie vor die richtige Führungsphilosophie für Streitkräfte in der Demokratie ist. Sie ermöglicht es nicht nur, die Vorgaben des Grundgesetzes - insbesondere die Achtung der Menschenwürde -  sowie die Vorgaben unserer demokratisch verfassten, pluralistischen Gesellschaft und die Grundsätze zeitgemäßer Menschenführung auch in den Streitkräften zu verwirklichen. Vielmehr kommt dadurch auch dem einzelnen „Staatsbürger in Uniform“, der sich mit dieser Werteordnung identifiziert und daraus seine Motivation für den Dienst zieht, eine herausragende Bedeutung bei. Dabei kommt es ganz entscheidend darauf an, dass sich die Soldat(inn)en mit dieser Rolle nicht nur oberflächlich identifizieren, sondern intensiv auseinandersetzen.

Aufgrund der gewandelten gesellschaftlichen und militärischen Rahmenbedingungen einer Armee im Einsatz sind neue Herausforderungen und Infragestellungen des „Staatsbürgers in Uniform“ entstanden. Um ihnen gerecht werden zu können, war es geboten, die Grundsätze der Inneren Führung weiterzuentwickeln. Dies gilt insbesondere für die Forderungen nach einer umfassenden moralischen und politischen Bildung für die Soldat(inn)en und für das besondere Augenmerk, das auf die Umsetzung der Beteiligungsrechte gelegt ist. Allerdings kann man aus der ausführlichen Behandlung dieser eigentlich bekannten Themen auch einen anderen Schluss ziehen: dass sie in der grundlegenden Führungsvorschrift eben deswegen so intensiv behandelt werden, weil sie nach wie vor nicht so praktiziert werden, wie politisch gewollt. Dies zumindest legen die Auskünfte vielen Jahresberichten  des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages nahe.

Gerade diese beiden Aspekte, die man von „Staatsbürgern in Uniform“ eigentlich selbstverständlich erwarten würde, verweisen auf die entscheidende Frage: Wie können Soldat(inn)en motiviert werden, sich mit ihrer Rolle als Staatsbürger(inn)en in Uniform zu identifizieren und sich mit den an sie herangetragenen Idealen auseinandersetzen?

Diese wird im Abschnitt über die unterschiedlichen Gestaltungsfelder der Inneren Führung angegangen. Dass die Militärseelsorge dabei in einem eigenständigen Kapitel thematisiert wird, unterstreicht zu Recht deren zentrale Bedeutung, insbesondere die der geistlichen Begleitung für die Soldat(inn)en und ihre Familien.

Hinsichtlich der oben genannten Frage der Motivation verweist das neue Grundlagendokument jedoch in erster Linie auf das prägende Vorbild des Vorgesetzten. Dabei wird diesem zwar ausführlich erläutert, was von ihm erwartet wird, aber nicht aufgezeigt, wie er selbst zu einem Verhalten gemäß dieser Ideale, zum persönlichen Engagement in den unterschiedlichen Gestaltungsfeldern motiviert werden kann. Dies ist angesichts der heutigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ein Versäumnis des Grundlagendokuments. Denn gerade im letzten Jahresbericht des Wehrbeauftragten hat dieser auf grundsätzliche Mängel im Führungsverhalten hingewiesen. Er mahnte sogar ein größeres Augenmerk bei der Auswahl des Führernachwuchses an.

Daher wäre es gut, wenn wenigstens in ergänzenden Ausbildungshilfen aufgezeigt werden könnte, warum es für alle Soldat(inn)en ein großer persönlicher Gewinn ist, die Führungsphilosophie der Bundeswehr zu verinnerlichen und den anderen vorzuleben. Diese Verinnerlichung unserer Werteordnung war schon immer der Angelpunkt des Konzepts der „Inneren Führung“.  Sie ist heute gebotener denn je, wenn dieses Menschenbild in den Streitkräften  gelebt werden soll.

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