Differenziert, klar und persönlich

BDKJ Köln fordert Medienpräsenz der Kirche
  • Köln

„Mit Kirche darf ich nicht Scheiße aussehen.“ Das war eine drastische, aber prägnante Erkenntnis aus der Sinus-Milieu-Studie U28 aus dem Jahr 2008. Diese Befürchtung vieler junger Menschen scheint gerade nah an der Realität. Jugendliche in den Jugendverbänden müssen erleben, wie das ohnehin bereits angekratzte Image der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit weiter Schaden nimmt. Die Kirche wird gegenwärtig von vielen Seiten stark kritisiert. Leider besteht wenig Zweifel daran, dass diese Kritik in Teilen berechtigt ist.

Ärgerlich für viele Jugendliche in den Verbänden: Sie müssen den Kopf für Vorgänge und Vorfälle in der Kirche hinhalten, die sie selbst nicht verantworten. Sie werden in Familie, Schule, auf der Arbeit oder in der Freizeit auf die Vorfälle in den katholischen Krankenhäusern oder auf die Aufarbeitung der sexuellen Gewalt in der Kirche angesprochen, zum Teil auch hart kritisiert. Dabei sind es gerade die katholischen Jugendverbände, die die von den Bischöfen beschlossene Prävention unterstützen und beispielsweise bereits tausende Jugendliche geschult haben.

Die Öffentlichkeit ist kein Feind
Die Jugendverbände erleben die Medien nicht als antikirchlich. Im Gegenteil. Vielmehr zeigen sie Neugierde und großes Interesse an der Kinder- und Jugendarbeit der katholischen Jugendverbände und dem Engagement von vielen Kindern und Jugendlichen, die auf ihre Weise das Evangelium bezeugen: Sei es bei der 72-Stunden-Aktion des BDKJ, der Kinderstadt der Katholischen jungen Gemeinde (KjG), der hunderten Gruppen in den Pfarreien oder der internationalen Arbeit „mi mundo“ der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Dies gilt übrigens auch für Politikerinnen und Politiker quer durch alle Parteien. Und immer noch schenken viele Eltern den Angeboten der Jugendverbände ihr Vertrauen – selbst  wenn sie der Kirche kritisch, distanziert oder unschlüssig gegenüber stehen.

Zuspitzungen unterlassen – differenziert mitdiskutieren
Die jungen Menschen brauchen in dieser schwierigen Situation authentische Vorbilder. Sie erleben die Bischöfe der Kirche bei den Weltjugendtagen an ihrer Seite und müssen dies auch jetzt erwarten können. Dies schließt mit ein, dass das Feld der öffentlichen Meinung nicht ultra-konservativen Katholikinnen und Katholiken überlassen wird. Denn deren Meinung erscheint vielen Menschen schnell  als die offizielle Meinung der katholischen Kirche. Vielmehr erwarten Verbandlerinnen und Verbandler zu Recht, dass Bischöfe aus der Mitte der Kirche heraus aufstehen und ihre oft nicht mehr verstandenen Positionen auch in den Medien persönlich, klar und pastoral klug erklären und vertreten. Zugleich erwarten sie, dass sie deutlich sagen, was für sie zum Markenkern des Glaubens dazu gehört, und sie bereit sind, in eine Diskussion darüber einzutreten, was etwa im Bereich der Sexualmoral dem geschulten Gewissen des Einzelnen überlassen bleiben kann.

Vernunft und Glauben schließen sich nicht aus. Nur so kann sich die Öffentlichkeit und auch die Vielzahl von Jugendverbandlerinnen und -verbandler eine eigene Meinung bilden und Bischöfe als authentische Menschen erleben. Das schafft gegenseitigen Respekt und Wertschätzung. Auch für die Meinung anderer.

Zum Thema: Interview mit BDKJ-Präses Pfarrer Dirk Bingener im domradio (mp3).

Diesen Artikel teilen auf