Die Lebensrealität junger Menschen in den Blick nehmen

BDKJ veröffentlicht Stellungnahme zur Vorbereitung der Weltbischofssynode
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Düsseldorf, 13. März. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) fordert die Kirchenleitung auf, theologische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse nicht länger zu ignorieren und nicht weiterhin an Verboten festzuhalten, die aus einem verengten Verständnis von Liebesbeziehungen kommen. Das geht aus der Stellungnahme hervor, mit der der BDKJ-Bundesvorstand auf die zweite Umfrage zur Bischofssynode im Herbst antwortet. Gläubige in aller Welt sind dazu aufgefordert, ihre Ansicht zu Fragen der Ehelehre der Kirche darzulegen.

„Leider kommt die Lebensrealität junger Menschen in dieser Umfrage kaum vor“, bedauert BDKJ-Bundesvorsitzender Wolfgang Ehrenlechner. Er weist darauf hin, dass schon allein aufgrund des deutlich angestiegenen Heiratsalters viele junge Menschen in Deutschland von der kirchlichen Lehre, die Sex vor der Ehe verbietet, überhaupt nicht mehr erreicht würden. „Viele wünschen sich, einmal zu heiraten, aber das hindert sie nicht, schon lange vorher ernsthafte Beziehungen einzugehen.“ Aber auch die von vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen als unverantwortlich und nicht nachvollziehbar eingeschätzte Position der katholischen Kirche zu Verhütung und zu homosexuellen Partnerschaften führe dazu, dass sie die kirchlichen Verbote für ihr Leben als nicht relevant betrachteten.

„Wir sehen insbesondere bei den Themen nichteheliche Beziehungen, homosexuelle Partnerschaften und Empfängnisverhütung, dass die Lehre der Kirche von jungen Katholikinnen und Katholiken weithin nicht mehr akzeptiert wird“, so Ehrenlechner. „Wir treten aber nicht dafür ein, dass sich die Synode auf einzelne Änderungen der Lehre verständigen sollte, sondern wir wünschen uns, dass die Kirche nicht mehr den Anspruch erhebt, über die Schlafzimmer der Gläubigen zu wachen“, führt Ehrenlechner weiter aus. „Wir halten es angesichts der großen kulturellen Unterschiede in der Weltkirche für wenig sinnvoll, im privaten Bereich des Beziehungslebens den kleinsten gemeinsamen Nenner zu suchen. Einheit im Glauben muss nicht Einheitlichkeit der Lebensstile bedeuten.“ Das bedeute aber nicht, dass der BDKJ jede Beziehungsethik ablehne: „Wir plädieren dafür, den Begriff der Gerechtigkeit zur Grundlage auch der Beziehungsethik zu machen, und nicht länger von vermeintlich natürlichen Ge- und Verboten auszugehen.“ Damit könnten zu akzeptierende von schädigenden Formen sexueller und partnerschaftlicher Beziehungen unterschieden werden.

Im Zuge der Vorbereitung der Außerordentlichen Bischofssynode im vergangenen Jahr hatte der BDKJ den Vatikan-Fragebogen in eine großangelegte Online-Umfrage übersetzt, an der sich rund 10.000 Menschen beteiligten. Die aktuelle Stellungnahme sowie die Umfrageergebnisse aus dem vergangenen Jahr sind hier abrufbar. 

Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden und -organisationen mit rund 660.000 Mitgliedern.

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