100.000 Jugendliche werden einfach vergessenBeim zweiten bundesweiten Josefstag macht sich katholi-sche Kirche für Chancenlose stark und knüpft Netzwerke ge-gen Jugendarbeitslosigkeit

Düsseldorf, 6. März. „Bis zu 20 Prozent der Arbeit suchenden Jugendli-chen sind als Mehrfachbenachteiligte nicht in arbeitsmarktpolitische Ak-tivitäten eingebunden. Bei der Auswahl für Qualifizierungs- und Integrati-onsmaßnahmen bleiben damit rund 1

Beim zweiten bundesweiten Aktionstag gegen Jugendarbeitslosigkeit haben am 6. März Bischöfe, Generalvikare und verantwortliche katholischer Verbände mehr als 20 katholische Einrichtungen der Jugendberufshilfe in ganz Deutsch-land besucht. Unter dem Motto „Jugend braucht Perspektive – kirchliche Netz-werke unterstützen“ warben sie für mehr Unterstützung für benachteiligte Ju-gendliche.

Der Vorsitzenden der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode, rief dazu auf, sich für benachteiligte Jugendliche und deren Integration einzusetzen: „Die Gestaltung zukünftiger Gemeinde und Kirche muss die Benachteiligten stärker im Blick behalten. Kirche muss die Grundlagen von Armut und Ausgrenzung benennen. Deshalb ist es notwendig, die gute Arbeit der Einrichtungen der Jugendberufshilfe und Jugendsozialarbeit in die Gemeinden und kirchlichen Strukturen zu tragen. Denn sie sind Schulen des Lebens und der Hoffnung. Der Josefstag macht auf Ursachen von Unge-rechtigkeit aufmerksam und wird dies weiter tun.“ Im Bezug auf den Schutzpat-ron des Aktionstages erläuterte der Jugendbischof: „Der Heilige Josef steht nicht nur für das Thema Arbeit, er ist einer, der Träume hat, der die Wirklichkeit annimmt und sie meistert, wie auch die Jugendlichen ihre Chancen annehmen und ihr Leben gestalten können.“

Die letzte Alternative

„Für mich gab es keine Alternative mehr. Ich hatte mich von der Schule völlig verabschiedet. Hier  bin ich aufgehoben, kann mich einbringen und entwi-ckeln.“ Das erzählte etwa die 19-jährige Melanie Wilken dem Bischof Dr. Franz-Josef Bode am Vormittag bei seinem Besuch der Jugendberufshilfeein-richtung „Johannesburg“ bei Papenburg. Vorher ohne Schulabschluss, steht die 19-jährige Melanie jetzt kurz vor dem Ausbildungs-Abschluss als Hauswirt-schafterin. Sie erzählte dem Bischof sogar von ihren Plänen, sich an einer Fachschule zur Hauswirtschaftsbetriebsleiterin weiterbilden zu lassen, „Ich bin hier richtig durchgestartet.“

Melanie ist eine von 30.000 jungen Menschen, die bundesweit in katholischen Jugendberufshilfeeinrichtungen Ausbildung und Perspektive finden. In Deutschland haben mehr als 450.000 junge Menschen keine Ausbildung oder Arbeit. Auf seinem Rundgang kam Bischof Bode mit Jugendlichen und Ar-beitsmarktpartnern der Einrichtung ins Gespräch. Dabei hob Bode auch die Bedeutung kirchlicher Netzwerke und ihre Verankerung in der Arbeitsmarktpoli-tik hervor. „Hier wird das christliche Menschenbild gelebt: Jeder Mensch ist eine Bereicherung für das Leben, die Gesellschaft und für die Betriebe“, so Bischof Bode.

Bischöfe backen Brötchen und Waffeln

Auch sein Kollege Weihbischof Heinrich Timmerevers setzte beim Joseftag ein Zeichen. Beim „Sozialen Briefkasten“ in Lohne kam er beim Waffelbacken mit Jugendlichen ins Gespräch. Die Mannheimer Einrichtung „Förderband“ weihte eine gesponserte Jugendküche ein. Im Jugendhilfezentrum Helenenberg (Eifel) backte Weihbischof Ackermann mit Jugendlichen Brötchen für ein gemeinsa-mes Frühstück in einer integrativen Kindertagesstätte. Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand aus Würzburg unterstützte in Schweinfurt Berufs- und Förderschü-ler bei ihrer Zukunftsplanung.

„Die Gesellschaft und auch die Kirche müssen sich daran messen lassen, in-wieweit es gelingt, den am Rande Stehenden eine Chance zu geben und ihnen Teilhabe am Arbeitsmarkt und an der Gesellschaft zu ermöglichen“, erklärte Gregor Gierlich als Vorsitzender des „arbeit für alle e.v.“. Die Initiative im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist zusammen mit der Bundesar-beitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) und der Arbeits-stelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) Träger des Aktionstages gegen Jugendarbeitslosigkeit.

Pressekontakt: Michael Kreuzfelder, mobil 0178 7956099, pressebdkjde

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